Speaker A

Schön, dass du bei uns bist.

Speaker B

Hallo.

Speaker A

Es tut gut, heute hier in dieser ruhigen Atmosphäre zusammenzusitzen.

Speaker A

Vielleicht hast du dir ja gerade eine warme Tasse Tee gemacht nach einem langen Tag und wir können einfach mal ein wenig zur Ruhe kommen.

Speaker A

Weißt du, wenn ein Wellensittich seinen Partner verliert, dann wird es im Raum oft ganz plötzlich unglaublich still.

Speaker B

Ja, das stimmt.

Speaker A

Und das meine ich nicht nur räumlich drüben im Käfig, wo auf einmal dieses ständige vertraute Flattern und Zwitschern fehlt.

Speaker A

Es wird auch ganz still im Herzen dieses kleinen Vogels.

Speaker B

Das ist ein sehr schönes Bild und ein sehr trauriges.

Speaker A

Wir sprechen heute über genau diese Stille, darüber, wie tiefe Trauer bei unseren Wellensittichen

Speaker B

tief im Innersten aussieht, rein biologisch und emotional.

Speaker A

Genau.

Speaker A

Wir wollen uns anschauen, wie wir als Menschen eine Art erste Hilfe für die Seele leisten können, ohne das Tier zu überfordern und wie wir ihm ganz behutsam helfen, sich irgendwann wieder zurück in ein sicheres Leben zu tasten.

Speaker B

Da spricht dann direkt den Kern an, diese plötzliche Stille.

Speaker B

Lass uns vielleicht genau da anfangen und aufschlüsseln, warum dieser Verlust für diese Tiere überhaupt so, ja, so unvorstellbar tiefgeht.

Speaker B

Gerne, weil wir Menschen betrachten unsere Haustiere ja oft aus unserer eigenen Perspektive, oder?

Speaker A

Absolut.

Speaker A

Wir denken dann sowas naja, er hat ja immer noch mich, er hat sein sicheres Zuhause, jeden Tag frisches Futter.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Aber für einen Wellensittich, der von seiner ganzen Evolution her ein absolutes Schwarmtier ist, ist der Partner weit mehr als nur angenehme Gesellschaft.

Speaker B

Ein Schwarmvogel reguliert sein eigenes Nervensystem über seinen Partner.

Speaker A

Warte mal, das musst du mir genauer erklären.

Speaker A

Er reguliert sein Nervensystem über den anderen.

Speaker A

Ja, das heißt, die Verbundenheit geht weit über das hinaus, was wir als reine Zuneigung bezeichnen würden.

Speaker B

Ganz genau.

Speaker B

Ein Wellensittich in freier Wildbahn ist in erster Linie ein Beutetier und sein Überleben hängt schlichtweg davon ab, dass um ihn herum ständige Kommunikation herrscht.

Speaker A

Also dieses leise Kontaktbrabbeln vor dem Einschlafen.

Speaker B

Ja, das Brabbeln, das gemeinsame Putzen, das ständige kleine Schnattern am Tag, das alles ist für das Gehirn des Vogels das permanente Signal.

Speaker B

Alles ist sicher, es ist kein Feind in der Nähe.

Speaker A

Ah OK, lass uns das mal in Ruhe aufdröseln.

Speaker A

Das ist ja, als stünde der Vogel plötzlich auf einer riesigen, leeren Bühne in einem großen Schwarm.

Speaker A

Fad verteilt sich so ein Verlust vielleicht noch, weil andere Vögel heranrücken.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Der Schwarm fängt das auf, aber bei

Speaker A

einem Paar, wo plötzlich einer fehlt, da bricht doch das ganze System zusammen.

Speaker B

Total.

Speaker B

Wenn der Partner stirbt und dieses vertraute Geräusch von der einen auf die andere Sekunde wegbricht, dann bedeutet diese Stille für den überlebenden Vogel nicht nur den Verlust eines Freundes, sondern sein Instinkt schreit quasi Es ist still.

Speaker B

Also ist ein Raubtier in der Nähe Lebensgefahr.

Speaker B

Er verliert seine tägliche Orientierung, seine pure Sicherheit.

Speaker A

Wow.

Speaker A

Das verändert den Blickwinkel.

Speaker A

Total.

Speaker A

Wenn Stille für ihn instinktiv Lebensgefahr bedeutet, dann ist das ja ein immenser physiologischer

Speaker B

Stress, ein gewaltiger Stress.

Speaker A

Ich stelle mir das vor, als wäre plötzlich der einzige Anker weg, der einen überhaupt noch in der Realität festhält.

Speaker A

Jedes kleine Geräusch im Zimmer, das vorher vom vertrauten Rascheln des Partners übertönt wurde, wirkt jetzt bedrohlich.

Speaker B

So ist es.

Speaker B

Das Nervensystem fährt komplett hoch.

Speaker B

Der Vogel versteht intellektuell vielleicht nicht das Konzept des Todes, wie wir Menschen das tun, aber er spürt mit jeder Faser seines kleinen Körpers, dass seine Überlebensstruktur gerade komplett zusammengebrochen ist.

Speaker A

Das führt uns ja eigentlich direkt zu der Frage, wie diese Trauer dann im Alltag überhaupt sichtbar wird.

Speaker B

Ja, denn die äußert sich nicht bei jedem Tier gleich.

Speaker B

Es gibt da keine Schalter, die man umlegt.

Speaker B

Es ist ein Prozess.

Speaker A

Wie genau sehe ich das?

Speaker A

Dann gibt es da Warnsignale, auf die ich als Helter achten muss.

Speaker A

Du kennst deinen Vogel ja am besten.

Speaker A

Du spürst einfach diese leise Intuition, dieses flaue Gefühl im Magen, dass dein Tier nicht mehr es selbst ist.

Speaker B

Und genau diese Intuition ist dein allerbestes Werkzeug.

Speaker B

Du musst niemandem etwas beweisen.

Speaker B

Wenn du merkst, das Verhalten weicht ab, reicht das völlig aus, um achtsam zu werden.

Speaker A

Was sind denn so die leisen Zeichen?

Speaker B

Oft sind sie extrem subtil.

Speaker B

Der Vogel wirkt vielleicht apathisch, als wäre er innerlich komplett eingefroren.

Speaker A

Mhm.

Speaker A

Starr.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Er zieht sich auf einen Ast zurück, plustert sich leicht auf, klettert viel weniger.

Speaker B

Und das geliebte Spielzeug, das wird völlig ignoriert.

Speaker A

Verändert sich auch das Schlafen sehr oft.

Speaker B

Ja, manchmal sehen wir, dass der Vogel tagsüber plötzlich viel mehr schläft oder nachts an ganz ungewohnten, ungeschützten Plätzen döst, weil

Speaker A

der alte Schlafplatz nicht mehr sicher ist.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Der alte vertraute Platz, dort wo man immer Schulter an Schulter saß, der ist plötzlich ein Ort der tiefen Unsicherheit geworden.

Speaker A

Und das ist ja der Moment, wo es für so ein kleines Tier wirklich gefährlich wird oder lebensgefährlich.

Speaker A

Gramm.

Speaker A

Wenn so ein winziger Körper unter Dauerstress steht und apathisch wird, was passiert da rein körperlich?

Speaker B

Das ist wirklich der kritischste Punkt in den ersten Tagen.

Speaker B

Ein Wellensittich hat einen extrem schnellen Stoffwechsel.

Speaker B

Wenn so ein 40 Gramm leichter Körper durch den massiven Schock der Trauer aufhört

Speaker A

zu fressen, dann ist das nicht wie bei uns Menschen, wo man mal einen Tag keinen Appetit hat.

Speaker B

Nein, überhaupt nicht.

Speaker B

Wenn ein wellensittich auch nur 24 Stunden lang keine Nahrung.

Speaker B

Aufnimmt, fällt sein Blutzuckerspiegel rapide ab, die Leber wird massiv belastet, der Kreislauf bricht zusammen.

Speaker A

Och Gott.

Speaker B

Trauer kann bei diesen Vögeln schlichtweg zum Verhungern führen, weil der Instinkt zur Nahrungsaufnahme durch die Panik völlig blockiert ist.

Speaker A

Das klingt nach nem und unglaublichen inneren Stress für das Tier.

Speaker A

Wenn ich das so höre, ist mein allererster menschlicher Impuls natürlich, Ich muss ihn sofort trösten.

Speaker A

Ich will ihn in die Hand nehmen, ihn streicheln, das Leid irgendwie wegmischen.

Speaker B

Das ist so verständlich.

Speaker A

Aber ich nehme an, genau das wäre jetzt bei einem Beutetier der völlig falsche Weg.

Speaker B

Richtig, völlig falsch.

Speaker B

Ja.

Speaker B

Auch wenn es aus reiner Liebe geschieht, den Vogel jetzt aus dem Käfig zu greifen oder ihn ständig anzufassen, würde seine ohnehin schon alarmierte Panik nur noch weiter

Speaker A

anheizen, weil er denkt, der Feind greift nach ihm.

Speaker B

Exakt.

Speaker B

Erste Hilfe für die Vogelseele bedeutet in diesem sanfte, fast unsichtbare Stabilität.

Speaker A

Kein Aktionismus.

Speaker B

Kein Aktionismus.

Speaker B

Wir müssen kleine Brücken bauen, damit er überhaupt erstmal wieder anfängt zu fressen.

Speaker B

Das ist das Wichtigste.

Speaker A

Wie baue ich denn so eine Brücke ganz konkret im Käfig auf?

Speaker B

Indem du absolute Barrierefreiheit schaffst.

Speaker B

Biete ihm sein absolutes Lieblingsfutter an Kolbenhirse ist da oft der beste Türöffner.

Speaker A

Stimmt, da können die wenigsten widerstehen.

Speaker B

Sie ist energiereich, leicht zu entspelzen und extrem verlockend.

Speaker B

Aber, und das ist wichtig, häng sie nicht irgendwohin, wo er erst mühevoll hinklettern

Speaker A

muss, sondern direkt vor die Nase, genau

Speaker B

dorthin, wo er gerade erstarrt sitzt.

Speaker B

Stell zusätzliche flache Schälchen mit Futter auf den Boden oder in seine unmittelbare Nähe.

Speaker B

Er darf einfach keine Energie auffinden müssen, um an Kalorien zu kommen.

Speaker A

Das leuchtet ein und wahrscheinlich keine hektischen Handgriffe am Käfig, oder?

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Jeder überflüssige Stress muss jetzt vermieden werden.

Speaker B

Und wenn er dauerhaft das Futter verweigert, dann muss sofort der Tierarzt eingeschaltet werden.

Speaker A

Gut, das waren jetzt die leisen, apathischen Zeichen.

Speaker A

Was ist mit den lauten Zeichen der Trauer?

Speaker A

Ich weiß von vielen Haltern, dass Vögel auch genau das Gegenteil tun können, dass sie ununterbrochen rufen.

Speaker B

Oh ja.

Speaker B

Und das sind oft die Momente, die uns Menschen emotional wirklich an unsere Grenzen bringen.

Speaker A

Das glaube ich sofort.

Speaker B

Das ist dieses unablässige, durchdringende Kontaktrufen, ein lautes, manchmal fast schrilles Rufen, das einfach ins Leere geht, weil halt keine Antwort mehr kommt.

Speaker A

Und dann suchen sie wahrscheinlich auch.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Der Vogel läuft dann oft wahnsinnig unruhig am Gitter auf und ab, sucht in jeder Ecke des Zimmers.

Speaker B

Biologisch gesehen versucht er seinen verlorenen Schwarm wieder zusammenzuführen.

Speaker A

Und wenn dann im Raum absolute Stille herrscht, verstärkt das seine Panik nur noch weiter.

Speaker B

Ganz genau.

Speaker A

Wie verhalte ich mich in so einem Moment?

Speaker A

Ich mein, wenn er ruft und sucht?

Speaker A

Ich kann ihm ja schwer auf Vogelart antworten.

Speaker B

Nein, du kannst keine Antwort auf Vogelart geben, aber du kannst versuchen, den Raum mit einer sicheren Atmosphäre zu füllen.

Speaker B

Was hier besonders wichtig Es geht um deine ruhige Präsenz.

Speaker A

Das heißt einfach da sein.

Speaker B

Ja.

Speaker B

Setz dich nah an den Käfig, liest vielleicht ein Buch, spricht ganz leise und monoton vor dich hin oder arbeite einfach am Tisch daneben.

Speaker B

Du musst den auch nicht direkt anstarren,

Speaker A

weil Anstarren wieder nach Raubtier aussieht.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Es geht nur darum, dass er Ich bin nicht allein.

Speaker B

Da ist noch ein anderes Lebewesen im Raum, das atmet und entspannt ist.

Speaker A

Hilft da auch irgendwas Akustisches?

Speaker B

Extrem sanfte Hintergrundgeräusche sind Gold wert.

Speaker B

Lass ein Radio ganz leise laufen, am besten auf einem Sender, wo viel und ruhig gesprochen wird.

Speaker B

Oder leise, unaufgeregte Musik Kann ja nicht

Speaker A

wochenlang 24 Stunden am Tag neben dem Käfig sitzen.

Speaker B

Das ist natürlich schwierig.

Speaker A

Aber ihn jetzt stundenlang völlig allein zu lassen in dieser Akutphase, das stelle ich mir fatal vor.

Speaker B

Das ist es auch.

Speaker B

Längere Isolation ist in den ersten Tagen extrem belastend.

Speaker B

Sie treibt den Cortisolspiegel, also das Stresshormon, massiv in die Höhe und schwächt das Immunsystem ab.

Speaker B

So ein Stress kann körperlich richtig krank machen.

Speaker A

Also was tue ich, wenn ich das Haus zwingend verlassen muss?

Speaker B

Versuche die Umgebung so konstant und sicher wie möglich zu gestalten.

Speaker B

Lass das Radio leise laufen, genau wie wir gerade besprochen haben.

Speaker B

Und lass ein sanftes Licht an.

Speaker A

Ah, damit es nicht plötzlich dunkel wird.

Speaker B

Ja, vielleicht eine kleine Lampe, damit keine unheimlichen Schatten entstehen, falls es draußen plötzlich bewölkt wird.

Speaker B

Diese konstanten Reize geben ihm ein Minimum an Sicherheit, bis du wieder da bist.

Speaker A

OK, das ist die psychologische erste Die Nähe ohne Druck.

Speaker A

So schwer es uns in dieser emotionalen Ausnahmesituation aber auch fällt, Es gibt da einen Moment, an dem wir auch sehr rational handeln müssen.

Speaker B

Wenn wir das Ganze jetzt mal in einem etwas größeren Kontext betrachten.

Speaker A

Wir müssen ja herausfinden, warum der Partner überhaupt gestorben ist.

Speaker A

Wenn ich morgens an den Käfig komme und ein Vogel liegt tot am Boden, dann habe ich ja nicht sofort eine Erklärung dafür.

Speaker B

Ganz genau.

Speaker B

Neben all der Emotion haben wir ja die Verantwortung für das Überleben des verbliebenen Vogels.

Speaker B

Wir müssen ausschließen, dass eine versteckte Krankheit die Ursache war.

Speaker B

War es ein Tumor?

Speaker B

War es einfach das Alter?

Speaker B

Oder, und das ist die große Gefahr, war es eine hoch ansteckende Infektion?

Speaker A

Das heißt, der Gang zum Tierarzt ist unausweichlich.

Speaker B

Unbedingt.

Speaker B

Wenn du die Ursache nicht ganz klar kennst, musst du einen vogelkundigen Tierarzt hinzuziehen, der den verstorbenen Vogel untersucht.

Speaker B

Nur so weißt du sicher, ob der trauernde Vogel jetzt vielleicht selbst dringend Medikamente braucht.

Speaker A

Und das zieht ja auch Reinigungspflichten nach sich.

Speaker A

Ja, wenn es eine Infektion war, können ja Erreger am Napf oder an den Ästen sein.

Speaker A

Ich muss also reinigen Aber wenn ich jetzt anfange, den ganzen Käfig auszuräumen und heiß abzuwaschen, zerstöre ich dann nicht seinen letzten sicheren Rückzugsort.

Speaker B

Das ist eine echte Gratwanderung.

Speaker B

Und hier machen leider viele Menschen aus allerbester Absicht einen großen Fehler.

Speaker B

Hygiene ist total wichtig.

Speaker B

Näpfe, Wasserspender und Sitzstangen müssen gereinigt werden.

Speaker B

Aber du darfst unter keinen Umständen den Käfig jetzt umdekorieren.

Speaker A

Also die Geografie genauso belassen, wie sie war.

Speaker B

Exakt.

Speaker B

Die Geografie des Käfigs ist seine mentale Landkarte.

Speaker B

Der höchste Ast hinten links ist vielleicht sein sicherer Fluchtpunkt.

Speaker B

Das alte Seil in der Mitte ist sein gewohnter Weg zum Wasser.

Speaker A

Wenn ich das jetzt alles umbaue, weil ich denke, ein Tapetenwechsel tut ihm gut,

Speaker B

dann nimmst du ihm den allerletzten Rest seiner vertrauten Welt.

Speaker B

Die emotionale Botschaft hinter der Hygiene sollte nicht Hier ist alles neu, sondern ich

Speaker A

schaffe dir hier einen Schutzraum.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Trost bedeutet für ihn auch, dass jemand aufpasst, dass seine kleine Welt stabil bleibt.

Speaker A

Das leuchtet absolut ein.

Speaker A

Die vertraute Umgebung gibt Halt.

Speaker A

Und dann irgendwann, wenn die erste Akutphase vielleicht ein paar Tage vergangen ist, kommt unweigerlich diese eine Frage auf.

Speaker B

Ich ahne, welche du meinst.

Speaker A

Du sitzt da, schaust auf deinen einsamen, trauernden Vogel und fragst Darf ich eigentlich direkt einen neuen Partner holen?

Speaker A

Verrate ich den alten Partner?

Speaker B

Damit nicht irgendwie diese menschliche Schuldfrage?

Speaker A

Ja, man fragt Ist es nicht total pietätlos, diesen geliebten Freund, den wir gerade erst begraben haben, so schnell zu ersetzen?

Speaker B

Diese innere Zerrissenheit ist für uns Menschen oft wahnsinnig schwer zu ertragen, weil wir menschliche Moralvorstellungen von Trauerjahren und Anstand auf

Speaker A

das Tier projizieren, was ja eigentlich Quatsch ist, oder?

Speaker B

Genau.

Speaker B

Wir müssen das ganz klar trennen.

Speaker B

Es hat absolut nichts mit Ersetzen zu tun.

Speaker B

Niemand ersetzt das Individuum, das gestorben ist.

Speaker B

Aber der Wellensittich braucht zwingend einen Artgenossen, um überhaupt artgerecht existieren zu können, weil

Speaker A

er sonst wieder dieses Gefühl von ständiger Lebensgefahr hat.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Ein Schwarmtier leidet extrem unter der Einsamkeit.

Speaker B

Ein neuer Vogel ist kein austauschbares Puzzleteil, aber er ist schlichtweg notwendig.

Speaker A

Also sollte man nicht warten.

Speaker B

Man sollte nicht unnötig lange warten.

Speaker B

Ein paar Wochen allein sind für einen kleinen Vogel eine Ewigkeit.

Speaker B

Im Sinne des Tieres sollten wir unsere eigenen moralischen Bedenken da wirklich hinten anstellen.

Speaker A

Das heißt also, das Leben geht weiter.

Speaker A

Wir suchen keinen Doppelgänger, sondern einen neuen Weggefährten, der ihm das Gefühl von Sicherheit zurückgibt.

Speaker B

Schön gesagt.

Speaker A

Aber da kann ich ja mich einfach in die nächste Zoohandlung gehen und den erstbesten Vogel mitnehmen.

Speaker A

Woraus muss ich achten, damit das nicht komplett nach hinten losgeht?

Speaker A

Dem ruhigen Opavogel setze ich wahrscheinlich besser keinen hyperaktiven Teenager vor die Nase.

Speaker B

Oder ein wunderbares Beispiel.

Speaker B

Denn genau das passiert leider sehr oft.

Speaker B

Zwei Faktoren sind extrem entscheidend bei der Partnerwahl und die Wä Das Alter und der Charakter.

Speaker B

Ein junger, erst wenige Monate alter Wellensittich ist total ungestüm, will spielen, die Welt erkunden und testet ständig seine Grenzen aus.

Speaker A

Und der achtjährige trauernde Vogel, der wird davon völlig überrollt.

Speaker B

Das erzeugt enormen Stress.

Speaker A

Und umgekehrt, wenn ich zwei extrem zurückhaltende

Speaker B

Vögel habe, dann sitzen beide vielleicht nur völlig regungslos in unterschiedlichen Ecken des Käfigs und diese bedrückende Stille bleibt einfach bestehen.

Speaker A

Das bringt ja dann auch keinem was richtig.

Speaker B

Ein ähnliches Alter und ein passendes, sich sanft ergänzendes Temperament sind der Schlüssel.

Speaker B

Oft helfen hier Tierheime oder spezielle Vermittlungsstellen, weil die Pfleger die Charaktere ihrer Tiere sehr gut einschätzen können.

Speaker A

Gut, nehmen wir an, ich habe den perfekten, etwa gleichaltrigen Vogel gefunden.

Speaker A

Der nächste Schritt ist ja auch wieder hochsensibel.

Speaker A

Ich kann den neuen ja nicht einfach schwupps in den Käfig des alten Vogels setzen, Tür zu und hoffen, dass sie sich verstehen.

Speaker B

Auf gar keinen Fall einfach dazuzusetzen.

Speaker A

Wie läuft dieser Prozess rein praktisch ab?

Speaker B

Sehr behutsam.

Speaker B

Der allererste, unverhängebare Schritt ist immer eine strikte Quarantäne für den Neuzugang.

Speaker B

Das schützt vor unerkannten Krankheiten.

Speaker A

Wie lange sprechen wir da und was bedeutet das räumlich in einer normalen Wohnung?

Speaker B

Wir sprechen meist von 4 bis 6 Wochen.

Speaker B

Räumlich bedeutet, der neue Vogel muss in einem separaten Käfig in einem völlig anderen Zimmer untergebracht werden, getrennt durch Türen am besten ja, sodass sie sich idealerweise nicht einmal hören, aber vor allem keine Erreger über die Luft austauschen können.

Speaker B

Wir dürfen einfach nicht riskieren, dass der geschwächte, trauernde Vogel sich mit irgendetwas ansteckt

Speaker A

und dann nach den Wochen, wenn der

Speaker B

Tierarzt sein OK gibt, dann beginnt die sanfte Annäherung.

Speaker B

Aber das erste Treffen darf niemals im Käfig des alten Vogels stattfinden.

Speaker B

Er würde sein ohnehin schon reduziertes Revier massiv verteidigen.

Speaker A

Also ein neutraler Raum zum Kennenlernen.

Speaker B

Genau das kann das Wohnzimmer sein beim Freiflug, wenn der alte Vogel sonst immer nur im Arbeitszimmer ist.

Speaker B

Oder man stellt einen neuen Kletterbaum auf.

Speaker B

Keine vertrauten Spielzeuge aus dem alten Käfig.

Speaker A

Und was mache ich, damit sie sich nicht direkt streiten?

Speaker B

Biete unbedingt mehrere Futterstellen an.

Speaker B

Verstreue vielleicht sogar etwas Futter auf einem flachen Teller auf dem Boden.

Speaker A

Das weckt wieder den Schwarmtrieb, oder?

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Sie konzentrieren sich dann auf die Nahrungssuche und nicht so sehr auf den potenziellen Konkurrenten.

Speaker A

Und worauf achte ich bei der Körpersprache?

Speaker A

Wann muss ich eingreifen?

Speaker B

Ein leichtes Drohen oder mal ein kurzes Hacken in die Luft sind am Anfang normale Kommunikation.

Speaker B

Gefährlich wird es erst, wenn einer panisch flüchtet, schwer atmet und der andere ihn unerbittlich jagt.

Speaker B

Dann musst du trennen.

Speaker A

Und wenn es gut läuft, dann existieren

Speaker B

sie anfangs oft einfach nur auf Abstand nebeneinander.

Speaker B

Sie beobachten sich und jeden Tag rücken sie ein paar Zentimeter näher zusammen.

Speaker B

Erst nebeneinander, dann miteinander.

Speaker A

Weißt du, wenn wir jetzt auf all das blicken, was wir hier gerade besprochen haben, von der stillen Panik im Nervensystem über das behutsame Zufüttern bis hin zu diesen ersten zögerlichen Schritten mit einem neuen Begleiter, dann fällt mir Trauer muss nicht immer ein lautes, dramatisches Ereignis sein, weder bei uns Menschen noch bei unseren Tieren.

Speaker B

Das ist ja wahr.

Speaker A

Oft ist diese Trauer eher wie ein ganz dünner, leiser Faden, der sich durch den Tag zieht.

Speaker A

Und genau an diesem Faden kann man seinen kleinen Freund Schritt für Schritt in seinem ganz eigenen Tempo zurück in die Gegenwart begleiten.

Speaker A

Ja, es darf irgendwann wieder leichter werden für den Vogel, der sich wieder sicher fühlt.

Speaker A

Und ganz auch für dich, der du diesen kleinen Begleiter liebst und diese schwere Zeit mit ihm durchgestanden hast.

Speaker B

Es zehrt ja auch wahnsinnig an einem selbst, diese Hilflosigkeit mitanzusehen.

Speaker A

Absolut.

Speaker B

Und wenn ich das Ganze vielleicht noch auf eine etwas philosophische Ebene heben darf

Speaker A

zum Schluss Sehr gerne.

Speaker B

Weißt du, wir denken in unserem oft so getakteten Alltag, oft so funktional über unsere Haustiere nach.

Speaker A

Wir machen den Käfig sauber, geben Futter.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Aber wenn man dann mal an einem ruhigen Nachmittag still beobachtet, mit welch unglaublicher, fast schon erdrückender Tiefe ein so winziges Wesen wie ein Wellensittich den Verlust seines Lebensgefährten spurt, ja, dann zeigt uns das vielleicht etwas ganz Wunderbares.

Speaker B

Es zeigt uns, dass das Gefühl von Liebe, von Verbundenheit und eben auch von diesem zerreißenden Verlust nicht nur uns Menschen vorbehalten ist.

Speaker B

Es ist etwas Universelles, das selbst in das allerkleinste Herz passt.

Speaker B

Nimm diesen Gedanken vielleicht einfach mal mit in deinen restlichen Tag.

Speaker A

Das ist ein wunderschöner Gedanke, dass Liebe und Verbundenheit wirklich überall existieren, egal wie klein das Herz ist.

Speaker A

Ja, pass gut auf dich auf, wo auch immer du gerade bist und pass gut auf die kleinen Herzen auf, die dich begleiten.

Speaker B

Ja, pass gut auf dich auf.