Speaker A

Wenn ein Leben zu Ende geht, was bedeutet es dann eigentlich, so ganz sanft in den Kreislauf der Natur zurückzukehren?

Speaker A

Also ich meine, die meisten denken da ja sofort an Erde oder Feuer, aber was ist eigentlich mit Wasser, dem Element, aus dem ja alles Leben stammt?

Speaker B

Hm, das ist ein schöner Gedanke.

Speaker B

Wasser als Symbol für so einen stillen, fließenden Übergang ohne diese, ja fast schon Gewalt des Feuers.

Speaker B

Eine Rückkehr zum Ursprung quasi.

Speaker A

Genau.

Speaker A

Und es gibt eine Bestattungsform, die genau diesen Gedanken aufgreift.

Speaker A

Wir sprechen heute über die alkalische Hydrolyse, die manche auch Aquamation nennen.

Speaker A

Und wir wollen heute einfach mal ganz in Ruhe gemeinsam verstehen, was dahintersteckt, wie sich das anfühlt und warum das für manche Menschen eine wirklich tröstliche Alternative sein kann.

Speaker A

Lass uns das mal ganz behutsam aufschlüsseln.

Speaker A

Das Grundprinzip ist ja nicht, den natürlichen Prozess zu ersetzen.

Speaker A

Es ist eher eine sanfte Beschleunigung, aber in einem geschützten Rahmen.

Speaker A

Ich fand dieses Bild so treffend.

Speaker A

Es ist wie ein stilles Zurückgeben an die Elemente, nicht über Rauch, sondern über Wasser.

Speaker B

Ja, das Zitat trifft den emotionalen Kern wirklich gut und das ist auch wichtig, weil der technische Begriff dafür, also chemische Leichenauflösung, der klingt natürlich erstmal sehr hart.

Speaker A

Ja, total.

Speaker B

Vor allem wenn man trauert.

Speaker B

Aber der Prozess ist eben nicht brutal.

Speaker B

Er ist sehr kontrolliert.

Speaker B

Er findet in einem geschlossenen, geschützten Raum statt und ist darauf ausgelegt, den Körper ganz würdevoll in seine natürlichen Grundbestandteile zu überführen.

Speaker A

OK, beschreiben wir mal, wie das konkret abläuft.

Speaker A

Also der Körper wird in einen druckfesten Edelstahlbehälter gelegt, dann wird eine Lösung eingefüllt, die besteht aus ungefähr 95 Prozent Wasser und 5 Prozent Alkali, also Kaliumhydroxid oder Natriumhydroxid.

Speaker B

Richtig.

Speaker A

Und diese Flüssigkeit, die wird dann erwärmt auf so zwischen 93 und 180 Grad.

Speaker A

Der ganze Prozess dauert dann zwischen 3 und 18 Stunden.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Und was da auf molekularer Ebene passiert, ist eigentlich ganz faszinierend.

Speaker B

Also all die organischen Bestandteile, Proteine, Fette, auch die DNA, die zerfallen einfach in ihre Grundbausteine.

Speaker B

Übrig bleiben dann Aminosäuren, Peptide, Zucker, Salze und das Ergebnis ist eine sterile, aber nährstoffreiche Flüssigkeit.

Speaker A

Da muss ich kurz einhaken.

Speaker A

Steril und nährstoffreich, das klingt ja erstmal wie ein Widerspruch Ich hab gelesen, das Ergebnis sei eine sterile, kaffeeartige Flüssigkeit.

Speaker A

Das ist ein sehr spezifisches Bild.

Speaker A

Was bedeutet das denn für den Wasserkreislauf, wenn diese Flüssigkeit da reinkommt?

Speaker B

Das ist ein exzellenter Punkt, weil er oft zu Missverständnissen führt.

Speaker B

Also steril bedeutet hier, dass absolut keine Krankheitserreger, keine Bakterien oder Viren den Prozess überleben.

Speaker B

Die Flüssigkeit ist mikrobiologisch, also komplett rein.

Speaker A

OK.

Speaker B

Und nährstoffreich bezieht sich auf die Chemie.

Speaker B

Also die gelösten Aminosäuren und Salze sind im Grunde ein organischer Dünger.

Speaker B

Aber weil sie so grundlegend aufgespalten sind und die Flüssigkeit auch stark verdünnt wird, bevor sie ins Abwassersystem kommt, ist sie keine Belastung für Kläranlagen.

Speaker B

Im Gegenteil, sie kann den Prozess da sogar unterstützen.

Speaker B

Es ist also keine giftige Chemie, sondern eine organische Rückführung.

Speaker A

Okay, das verstehe ich.

Speaker A

Der Körper löst sich also in seine Grundbausteine auf, aber das Bild, das jetzt bei mir im Kopf entsteht, ist leere.

Speaker A

Das kann ja nicht alles sein.

Speaker A

Bleibt am Ende überhaupt etwas Greifbares für die Angehörigen übrig?

Speaker B

Ja, und das ist der absolut entscheidende Punkt für den Trauerprozess.

Speaker B

Es bleiben zwei Zum einen eben diese sterile Flüssigkeit, die sicher in den Wasserkreislauf zurückkehrt, und zum anderen bleiben die mineralischen Bestandteile des Körpers, also die Knochen.

Speaker B

Die Lauge löst ja nur das organische Material auf, aber das anorganische Calciumphosphat der Knochen bleibt erhalten.

Speaker A

Und was passiert dann mit denen?

Speaker B

Die werden nach dem Prozess ganz vorsichtig aus dem Behälter genommen.

Speaker B

Die sind dann sehr porös und werden sorgfältig getrocknet.

Speaker B

Und danach, danach werden sie zu einem sehr feinen, hellen, fast schneeweißen Pulver vermahlen.

Speaker B

Und dieses Pulver, man spricht da eher von Überresten als von Asche, das wird dann ganz ähnlich wie nach einer Feuerbestattung in eine Urne gefühlt.

Speaker A

Ach OK.

Speaker A

Es gibt also am Ende doch eine Urne, etwas Physisches, eine Erinnerung, der man einen Ort geben kann.

Speaker A

Das ist ja für so viele Menschen ein unglaublich wichtiger Anker.

Speaker A

Mir ist beim Lesen auch aufgefallen, wie oft die Farbe betont wurde.

Speaker A

Also dieses reine, helle Pulver, das scheint eine große Rolle zu spielen.

Speaker B

Absolut.

Speaker B

Hier kommen wir zur emotionalen Dimension.

Speaker B

Der Gedanke, dass dieser ganze Weg ohne die extreme hitze von über 800 Grad auskommt, also ohne Flammen, ohne Rauch, und ohne dieses doch sehr intensive Bild der Verbrennung.

Speaker B

Das ist für viele ein großer Trost.

Speaker B

Es geht ja nicht darum, eine Methode als besser zu bewerten.

Speaker B

Trauer ist so individuell.

Speaker B

Klar, für den einen ist Feuer ein Symbol der Reinigung, für den anderen ist genau dieses Bild unerträglich.

Speaker B

Und die Aquamation bietet da einfach eine Alternative, die auf Sanftheit setzt.

Speaker A

Das weiße Pulver als Symbol für einen reinen stillen Übergang im Gegensatz zur grauen Asche, die ja immer auch ein Produkt von Verbrennung ist.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Und der Prozess selbst, dieser geschlossene, stille und kontrollierte Ablauf, der kann ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit und Würde vermitteln.

Speaker B

Es ist ein sehr intimer, leiser Vorgang.

Speaker B

Eine Angehörige wurde mal zitiert, die sagte, es fühlte sich an, als würde er einfach in warmem Wasser baden und einschlafen.

Speaker B

Und so eine Vorstellung kann natürlich helfen, den Abschied weniger brutal erscheinen zu lassen.

Speaker A

Als ich das zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich, das klingt ja viel umweltfreundlicher als eine Verbrennung.

Speaker A

Aber dann kam bei mir die Frage was ist mit dem ganzen Wasser und der Energie fürs Heizen?

Speaker A

Wie sieht denn da die Bilanz aus?

Speaker B

Ja, und die Zahlen sind wirklich beeindruckend.

Speaker B

Die Energie für eine einzige Feuerbestattung entspricht ungefähr dem monatlichen Stromverbrauch eines Einfamilienhauses.

Speaker B

Für die Aquamation desselben Körpers braucht man im Schnitt nur so viel Energie wie für einen langen Fernsehabend.

Speaker B

Wow, das ist eine völlig andere Dimension.

Speaker B

Man spricht oft von über 90 Prozent Energieeinsparung.

Speaker A

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Speaker A

Und der zweite große Punkt sind dann wahrscheinlich die Emissionen, oder?

Speaker B

Richtig, das ist der entscheidende ökologische Vorteil.

Speaker B

Weil ja nichts verbrannt wird, gibt es keine Rauchgase, kein CO, das aus der Verbrennung freigesetzt wird, kein Quecksilber aus alten Zahnfüllungen, kein Ruß.

Speaker B

Es ist ein komplett geschlossener Kreislauf, der die Luft nicht belastet.

Speaker B

Das war in den umweltbezogenen Quellen immer das zentrale Argument.

Speaker A

Und die Wasserfrage, das ist ja auch eine immer knappere Ressource.

Speaker B

Das ist ein berechtigter Einwand, der auch aufkam.

Speaker B

Eine Aquamation verbraucht schon einige hundert Liter Wasser.

Speaker B

Aber auch hier hilft der Das ist ungefähr so viel Wasser, wie ein durchschnittlicher deutscher Haushalt an einem einzigen Tag verbraucht.

Speaker B

Und wie wir ja schon besprochen haben, das Wasser wird dem Kreislauf gereinigt, wieder zugeführt.

Speaker B

Im Gesamtbild ist der ökologische Fußabdruck der Aquamation also deutlich geringer als der der Feuerbestattung und sogar der Erdbestattung.

Speaker A

Das ist ein starkes Argument, was mich zur entscheidenden praktischen Frage Kann man diesen Weg in Deutschland denn überhaupt wählen?

Speaker B

Und hier stoßen wir auf eine harte Realität.

Speaker B

Die Antwort ist ein klares und unmissverständliches Nein.

Speaker B

Für die Bestattung von Menschen ist die alkalische Hydrolyse in Deutschland derzeit nicht zugelassen.

Speaker A

Aber warum denn nicht, wenn es doch so viele Vorteile hat?

Speaker B

Das deutsche Bestattungsrecht ist historisch gewachsen und in den Bundesländern geregelt.

Speaker B

Es kennt im Grunde nur zwei Zustände unter die Erde oder ins Feuer.

Speaker B

Und ein Verfahren, das den Körper in Flüssigkeit auflöst, fällt da komplett durchs Raster.

Speaker B

Es gibt keine Kategorie dafür, was es rechtlich extrem kompliziert macht.

Speaker B

Hinzu kommt der sogenannte Friedhofszwang.

Speaker A

Ach ja, stimmt genau.

Speaker B

Also die Pflicht, sterbliche Überreste auf einem Friedhofs freizusetzen und die sterile Flüssigkeit passt da halt überhaupt nicht ins Konzept.

Speaker A

Das heißt, auch wenn man sich aus all diesen Gründen dafür entscheiden würde, ist es für einen verstorbenen Angehörigen hierzulande aktuell einfach keine Option.

Speaker A

Das ist ernüchternd.

Speaker B

Absolut.

Speaker B

Es ist wichtig, das zu betonen, um keine falschen Hoffnungen zu wecken.

Speaker B

Es gibt zwar Debatten, aber bisher keine Gesetzesänderung.

Speaker B

Es gibt aber einen Bereich, in dem man dem Verfahren in Deutschland doch begegnen kann.

Speaker A

Lass mich raten.

Speaker A

Im Bereich der Haustierbestattung.

Speaker B

Genau da.

Speaker B

Für Haustiere ist die Aquamation bereits verfügbar und etabliert sich so langsam.

Speaker B

Für viele Menschen ist das der erste, oft sehr sensible Berührungspunkt mit dieser Methode, wenn eben ein geliebter tierischer Begleiter geht.

Speaker B

Da sucht man nach einem würdevollen Abschied und stößt dann auf diese Möglichkeit.

Speaker A

Verstehe Vielleicht als Letztes noch eine Klärung der Begriffe.

Speaker A

Das hat mich anfangs etwas verwirrt.

Speaker A

Wir haben jetzt meist von Aquamation gesprochen.

Speaker A

Man liest aber auch Resumation oder Lavation.

Speaker A

Ist das alles dasselbe?

Speaker B

Ja, das kann tatsächlich verwirrend sein, aber es ist gut zu wissen, dass alle diese Begriffe im Kern dasselbe meinen.

Speaker B

Es sind oft einfach Markennamen verschiedener Hersteller.

Speaker B

Resumation kommt zum Beispiel aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Wiedergeburt des Körpers.

Speaker B

Das zielt mehr auf den emotionalen Aspekt.

Speaker B

Aquamation betont das Wasser, aber der Prozess dahinter ist identisch.

Speaker B

Das Etikett ist also weniger wichtig als das Verständnis dafür, was da passiert.

Speaker A

OK, fassen wir das nochmal Es ist ein Weg des Abschieds, der auf Wasser und Wärme setzt, auf einen leisen, geschlossenen Kreislauf und das mit einem bemerkenswert kleinem ökologischen Fußabdruck.

Speaker A

Ein Prozess, der am Ende eine greifbare Erinnerung in einer Urne ermöglicht, aber eben ohne die Symbolik des Feuers.

Speaker A

Eine Option also, die Sanftheit und Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellt, in Deutschland aber rechtlich noch in der Warteschleife hängt.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Und all das wirft eine letzte wichtige Frage auf, über die du vielleicht noch einen Moment nachsinnen magst.

Speaker B

Eine Frage, die weit über die reine Technik hinausgeht und die wä Wenn wir neue Wege des Abschieds suchen und entwickeln, die sanfter zur Umwelt und vielleicht auch sanfter zu unserem eigenen Empfinden sind, was sagt das eigentlich darüber aus, wie sich unser Verständnis von Leben, Tod und unserem Platz im großen Ganzen gerade verändert?

Speaker B

Dass wir selbst im letzten Akt unseres Lebens noch nach Wegen suchen, die im Einklang mit der Welt stehen, anstatt sie zu belasten?