Es gibt da diesen einen Moment im Leben, der alles verändert.
Speaker ADer Moment, in dem du einen geliebten Menschen verlierst.
Speaker AJa, und es fühlt sich an, als würde dir jemand den Boden unter den Füßen wegziehen.
Speaker BAbsolut.
Speaker BNichts ist mehr selbstverständlich.
Speaker AGar nichts mehr.
Speaker BAber kennst du das, wenn zu dieser Trauer, zu diesem Schmerz plötzlich noch etwas anderes dazukommen kann?
Speaker AWas meinst du?
Speaker BGenau so eine neue, fast übermächtige Angst.
Speaker BAber nicht die Angst um dich selbst.
Speaker ASondern um die anderen.
Speaker BGenau, um deine Familie, deinen Partner, deine Freunde, die Menschen, die dir geblieben sind.
Speaker AJa, genau darüber wollen wir heute sprechen.
Speaker AÜber diese ganz besondere Erfahrung, diese Verlustangst, die nach einem Todesfall auftauchen kann.
Speaker AWir wollen mal schauen, warum sie entsteht, wie sie sich eigentlich anfühlt und wie sie so untrennbar mit der Trauer verwoben ist.
Speaker BUnd vielleicht finden wir auch ein paar behutsame Wege, wie man sich in dieser Zeit selbst ein wenig Halt schenken kann.
Speaker AIch glaube, ein guter Anfangspunkt ist die Frage, was dieser Einschnitt mit unserem inneren Gefühl Sicherheit macht.
Speaker AWarum unser Vertrauen ins Leben so tief erschüttert wird.
Speaker BEin Todesfall ist ja dieser radikale Bruch mit der Normalität.
Speaker ATotal.
Speaker BEtwas, das eigentlich nicht passieren sollte oder zumindest nicht jetzt, ist auf einmal passiert.
Speaker AGenau.
Speaker BWas vorher sicher schien, wirkt plötzlich total brüchig.
Speaker ADie Erkenntnis, dass das Leben endlich ist, wird von einer abstrakten Idee zu einer zu einer gefühlten, permanenten Wahrheit.
Speaker BUnd diese Wahrheit, es kann jederzeit jeden.
Speaker ATreffen, auch die, die ich am meisten liebe.
Speaker BUnd das ist also psychologisch gesehen eine enorme Belastung.
Speaker BDiesen Gedanken auszuhalten, ist fast unmöglich.
Speaker BUnser inneres System versucht dann uns zu schützen.
Speaker BEs aktiviert sozusagen eine innere Alarmanlage.
Speaker AMan wird überwachsam.
Speaker BGenau.
Speaker BHypervigilant.
Speaker ADas zeigt sich dann ja auch in ganz konkreten Alltagsdingen.
Speaker ADieses ständige aufs Handy schauen, ob alle gut angekommen sind.
Speaker BOh ja.
Speaker AOder wenn sich jemand nur fünf Minuten verspätet, malt man sich sofort die schlimmsten Unfälle oder Krankheiten aus.
Speaker BIn allen Details.
Speaker AAbsolut.
Speaker BUnd diese Welle der Panik, die hochschießt, wenn eine Nachricht nicht sofort beantwortet wird.
Speaker ADas muss unglaublich zermürbend sein.
Speaker BIst das auch.
Speaker BAber es ist wichtig zu verstehen, was dahintersteckt.
Speaker BMan kann das eine Schutzangst nennen.
Speaker ADas klingt erstmal wie ein Widerspruch.
Speaker BJa.
Speaker BAber es trifft den Kern.
Speaker BEs ist der verzweifelte Versuch deines Systems, das Unkontrollierbare irgendwie kontrollierbar zu machen nach.
Speaker ADem Wenn ich mir nur genug Sorgen.
Speaker BMache, wenn ich alle Gefahren vorhersehe, dann kann ich einen weiteren, so unendlich schmerzhaften Verlust vielleicht verhindern.
Speaker AEin Schutzversuch, der aus der tiefsten Verletzung heraus entsteht.
Speaker BGenau.
Speaker AWas mir dabei auffällt, ist, dass diese Verlustangst ja selten eine isolierte Emotion ist.
Speaker ASie ist oft ein Teil der Trauer selbst.
Speaker BJa, absolut.
Speaker BSie ist wie eine andere Seite derselben Medaille.
Speaker AWenn der Schmerz über den Verlust vielleicht zu groß ist, um ihn direkt zu.
Speaker BFühlen, sucht er sich andere Wege, andere Kanäle.
Speaker BUnd die Angst ist ein sehr lauter Kanal.
Speaker BDenk nur mal an die Sehnsucht.
Speaker BDie ist ja oft ein fast körperlicher Schmerz.
Speaker AJa.
Speaker BDu greifst zum Handy, um der verstorbenen Person etwas zu erzählen, und erst im letzten Moment fällt dir ein, dass die Nachricht nie ankommen wird.
Speaker AOh Gott.
Speaker AJa.
Speaker AOder du hörst ein Lied im Radio und plötzlich ist die Erinnerung so überwältigend da, dass es dir den Atem nimmt.
Speaker BOder dieser furchtbare Moment Dire weckt nach dem Aufwachen diese eine Sekunde, in der du vergisst, was passiert ist, und dann.
Speaker ATrifft dich die Realität mit voller Wucht.
Speaker BGenau.
Speaker BUnd wenn ein Mensch, der so ein fundamentaler Teil deines Lebens war, einfach weg.
Speaker ASein kann, dann erscheint es dem eigenen Gehirn ja nur logisch, dass das auch jedem anderen passieren könnte.
Speaker BDie Ausnahme ist zur Regel geworden.
Speaker AJa.
Speaker BUnd Trauer hat ja noch so viele andere Gesichter, manchmal auch leisere, wie die.
Speaker AEmotionale Taubheit zum Beispiel.
Speaker BGenau das ist ein Schutzmechanismus des Gehirns.
Speaker BWenn der Schmerz zu groß ist, um ihn auf einmal zu fühlen.
Speaker AMan funktioniert organisiert, aber fühlt eine Zeit.
Speaker BLang fast gar nichts, wie hinter einer Glasscheibe leben.
Speaker AUnd dazu kommen dann oft diese quälenden Schuldgefühle, die Was wäre wenn Fragen Hätte.
Speaker BIch etwas anders machen müssen?
Speaker AWarum habe ich nicht mehr Zeit mit ihm oder ihr verbracht?
Speaker BOder auch Wut, Wut auf die Krankheit.
Speaker AAuf die Umstände, auf sich selbst, weil man weiterlebt.
Speaker BAll diese komplexen, oft widersprüchlichen Gefühle, also die Taubheit, die Schuld, die Wut, die erzeugen eine enorme innere Anspannung, wie ein.
Speaker AKessel, in dem der Druck immer weiter steigt.
Speaker BUnd je höher der Druck, desto leichter kippt diese Energie.
Speaker BIn das, was wir dann als Angst wahrnehmen.
Speaker ADie Angst, wieder die Kontrolle zu verlieren.
Speaker BWieder etwas falsch zu machen, wieder jemanden zu verlieren.
Speaker AUnd dann gibt es ja auch noch diesen Teil in einem, der den Verlust noch gar nicht als endgültig begreifen kann.
Speaker BDie Nichtakzeptanz.
Speaker AJa.
Speaker ADer Teil, der immer noch hofft, dass alles nur ein schrecklicher Irrtum war.
Speaker BMan ertappt sich bei dem Irgendwann muss ich doch aus diesem Albtraum aufwachen wollen.
Speaker AFührt zu einer tiefen, unterschwelligen Unruhe.
Speaker BUnd genau diese diffuse Unruhe sucht sich dann ein konkretes Ventil.
Speaker ASie wird zur glasklaren Angst um die Familie, um die Freunde.
Speaker BEs ist der fast schon verzweifelte Impuls.
Speaker BDas eine konnte ich nicht verhindern, aber Aber vielleicht, wenn ich nur wachsam genug bin, schaffe ich es beim nächsten Mal.
Speaker ALass uns mal zu dem Punkt kommen, dass Trauer und Angst eben nicht nur im Kopf stattfinden.
Speaker ASie gehen ja durch den ganzen Körper.
Speaker BJa, ein ganz entscheidender Aspekt, der oft übersehen wird.
Speaker BViele erleben körperliche Symptome, die sie gar nicht mit der Trauer in Verbindung bringen.
Speaker ADieses plötzliche Engegefühl in der Brust zum Beispiel.
Speaker BGenau.
Speaker BHerzrasen.
Speaker BDas Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können.
Speaker BManchmal reicht ein einziger Gedanke eine Sorge und der Körper reagiert sofort.
Speaker AEr schaltet in den Überlebensmodus, als stünde.
Speaker BEine reale Gefahr unmittelbar gefor.
Speaker BDas ist wie ein innerer Notfall, der einfach keine Pause kennt.
Speaker AUnd das greift natürlich tief in den Alltag ein.
Speaker ASchlafprobleme sind da ja fast vorprogrammiert.
Speaker BTotal.
Speaker BDie Gedanken kreisen unaufhörlich, der Körper findet keine Ruhe.
Speaker AUnd daraus folgt dann diese bleierne Erschöpfung am Tag.
Speaker AMan fühlt sich, als hätte man gar nichts geschafft.
Speaker BUnd der Appetit verändert sich oft auch.
Speaker BEntweder man isst gar nichts mehr oder nutzt Essen zur Betäubung.
Speaker ADer Körper versucht sich an eine Realität anzupassen, die sich fundamental falsch anfühlt.
Speaker BUnd das kostet eine Unmenge an Energie.
Speaker BUnd wenn dann noch die ständige Sorge.
Speaker AUm andere dazukommt, bleibt kaum ein Puffer für Erholung.
Speaker BGenau.
Speaker BUnd das erschwert natürlich die Trauerbewältigung zusätzlich, weil einem schlicht die physische Kraft fehlt.
Speaker AMan ist im reinen Funktionsmodus verangeln.
Speaker AJa, Trauer hat ja keine feste Dauer, aber manchmal hat sie das Leben über Monate oder sogar Jahre fest im Griff.
Speaker BMan spricht dann von einer anhaltenden Trauerreaktion oder komplizierte Trauer.
Speaker ADas ist keine Wertung, oder?
Speaker BNein, überhaupt nicht.
Speaker BEs ist nur eine Beschreibung eines Zustands.
Speaker BEin Merkmal davon ist die übermäßige Beschäftigung mit dem Verlust.
Speaker AMan spielt die letzten Tage oder Worte immer und immer wieder im Kopf ab, wie in einer Endlosschleife.
Speaker BMan fühlt sich gefangen in der Zeit zwischen dem Davor und dem Danach.
Speaker AUnd daraus entstehen dann oft Verhaltensmuster, die das Leben noch schwieriger machen.
Speaker AEin Teufelskreis.
Speaker BAbsolut.
Speaker BAuf der einen Seite die Vermeidung, Orte.
Speaker AMeiden, die erinnern, Gespräche über Tod und.
Speaker BKrankheit meiden und auf der anderen Seite.
Speaker ADiese Kontrollzwänge, die Bewegungen der Liebsten exzessiv überwachen, kleine Rituale entwickeln, die Unglück abwenden sollen.
Speaker BUnd das perfide ist, diese Strategien entlasten vielleicht für einen ganz kurzen Moment.
Speaker AMan hat das Gefühl, die Angst im.
Speaker BGriff zu haben, aber langfristig führen sie dazu, dass das eigene Leben immer enger und kleiner wird.
Speaker AUnd die Welt außerhalb dieser engen Grenzen wirkt dann noch bedrohlicher, was die Angst wiederum verstärkt.
Speaker ADie Folge ist ja oft ein sozialer Rückzug.
Speaker ATreffen mit Freunden, fühlen sich anstrengend an.
Speaker BWeil Gespräche über Alltägliches so fremd und banal wirken.
Speaker AMan fühlt sich, als stünde man neben dem eigenen Leben und würde nur zuschauen.
Speaker AUnd damit geht oft ein tiefer Sinnverlust einher.
Speaker AMan fragt wofür das alles noch?
Speaker BUnd genau in dieser inneren Leere, in diesem Sinnverlust wirkt jeder weitere mögliche Verlust wie eine absolut unvorstellbare Katastrophe.
Speaker ADas verstärkt die Angst um die verbliebenen Menschen noch einmal exponentiell.
Speaker BJa, denn sie sind der letzte Anker, der einen noch mit dem Leben verbindet.
Speaker AVielleicht ist genau an dieser Stelle ein Perspektivwechsel wichtig.
Speaker AJa, so unendlich belastend diese Angst auch ist, sie ist kein Zeichen von Schwäche, es ist im Gegenteil, sondern sie ist ein direkter Ausdruck davon, wie sehr du liebst und wie tief du verletzt wurdest.
Speaker BDas ist ein sehr heilsamer Gedanke.
Speaker BMan könnte sich diese Angst wie eine ja, wie eine überfürsorgliche Wächterin vorstellen.
Speaker AEine Wächterin, ja.
Speaker BSie hat erlebt, dass etwas Furchtbares passiert ist und jetzt ruft sie bei jeder kleinsten Achtung, pass auf.
Speaker ASie meint es also gut.
Speaker BSie meint es gut.
Speaker BSie will dich um jeden Preis schützen, aber sie kennt nur ein einziges Alarm.
Speaker ASie unterscheidet nicht zwischen einer echten Gefahr und einem verspäteten Anruf.
Speaker BGenau.
Speaker BUnd so wird dieser Schutzmechanismus zur totalen Überforderung.
Speaker AMan fühlt sich plötzlich verantwortlich für die Sicherheit aller.
Speaker BMan hat das Gefühl, sich keine Pause von den Sorgen erlauben zu dürfen.
Speaker AUnd dabei verliert man völlig den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen.
Speaker BAlles dreht sich nur noch um die potenzielle Gefahr für die anderen.
Speaker AAlso geht es nicht darum, diese Angst loszuwerden.
Speaker BNein, das geht auch gar nicht.
Speaker BEs geht darum, einen Umgang zu finden, einen Weg, wie diese Wächterin lernen kann, ihre Stimme ein wenig zu senken.
Speaker AWas wäre denn ein erster Schritt?
Speaker BDer vielleicht wichtigste Schritt ist die radikale Akzeptanz der eigenen Gefühle.
Speaker ASich selbst das ehrliche Zugeständnis zu Es ist okay, dass ich so fühle.
Speaker BGenau.
Speaker BEs ist eine normale Reaktion auf eine absolut anormale Situation.
Speaker BMan muss sich nicht dafür rechtfertigen und.
Speaker AMan muss die Angst auch nicht kleinreden.
Speaker BÜberhaupt nicht.
Speaker BAuch nicht, weil das Umfeld vielleicht erwartet, dass man langsam darüber hinweg sein sollte.
Speaker AUnd dann, was kann man tun, wenn die Angst so überwältigend ist?
Speaker BEs gibt da dieses schöne Konzept der kleinen Inseln im Alltag.
Speaker AKleine Inseln?
Speaker BJa.
Speaker BDas sind keine großen Lösungen, sondern winzige Momente, die dich wieder mit dir selbst und der Gegenwart in Kontakt bringen.
Speaker AGib mal ein Beispiel.
Speaker BDas kann ein kurzer Spaziergang sein, bei dem du dich nur darauf konzentrierst, bewusst zu atmen, die Luft auf deiner Haut zu spüren.
Speaker AOder einen Moment, in dem du einfach eine Hand auf dein Herz legst und.
Speaker BSpürst, dass es schlägt, dass du lebst.
Speaker BJa, es kann auch ein persönliches Ritual sein, das gut tut.
Speaker BEine Kerze anzünden, einen Brief schreiben, den man nie abschicken muss.
Speaker AEin bestimmtes Lied hören.
Speaker BGenau.
Speaker BOder auch ein Gespräch mit einem Menschen, der einfach nur zuhört, ohne zu bewerten, ohne sofort mit Ratschlägen zu kommen.
Speaker ADas Wichtige daran ist, glaube ich, dass diese Momente die Angst nicht wegzaubern.
Speaker BNein, absolut nicht.
Speaker AAber sie können dir zeigen, dass neben der Angst und dem Schmerz noch etwas anderes in dir existiert.
Speaker BEin Rest von Verbindung zum Leben, von Wärme, vielleicht sogar ein winziger Hauch von Hoffnung.
Speaker ADer Beweis, dass die Angst nicht alles ist.
Speaker BUnd manchmal, wenn man in diesem Teufelskreis aus Grübeln und Vermeiden feststeckt, dann ist auch professionelle Unterstützung ne wirklich gute Option.
Speaker ADas ist dann kein Zeichen von Schwäche, ganz im Gegenteil.
Speaker BEs ist ein Akt der tiefsten Fürsorge für dich selbst, der mutige Versuch, langsam wieder ein Stück mehr bei dir und in deinem Leben anzukommen.
Speaker ADu musst den Weg nicht allein gehen.
Speaker BExakt.
Speaker AWenn wir das jetzt alles so zusammenfassen, ist die zentrale Erkenntnis vielleicht, dass diese.
Speaker BAngst tief in deiner Fähigkeit zu lieben verwurzelt ist.
Speaker AJa, sie ist der verzweifelte Versuch deines Inneren, dich und die Menschen, die du liebst, vor weiterem Schmerz zu schützen.
Speaker BUnd vielleicht ist ein tröstender Gedanke für den weiteren Weg, dass du nicht wissen musst, wie das große Ganze weitergeht, sondern sondern dass es reicht, den nächsten kleinen Schritt zu machen.
Speaker AUnd dieser Schritt kann winzig sein.
Speaker BEr kann nur der Gedanke es ist okay, dass ich so fühle.
Speaker BEr kann ein einziger bewusster Atemzug sein oder ein kurzer Blick aus dem Fenster.
Speaker ADas ist genug für heute.
Speaker BDas ist genug für heute.
Speaker ADeine Geschichte mit diesem Verlust ist einzigartig.
Speaker AUnd auch wenn du es gerade vielleicht nicht spüren kannst, in dir liegt die Möglichkeit, nach und nach wieder Boden unter.
Speaker BDen Füßen zu finden, in deinem eigenen.
Speaker ATempo, mit deiner Art zu trauern und mit deiner Art zu lieben.
Speaker AVielleicht ist die Frage, die du dir mitnehmen kannst, am Ende gar nicht Wie werde ich diese Angst los?
Speaker AWas braucht die Liebe unter diese Angst heute von.