Hallo und herzlich willkommen.
Speaker BHallo.
Speaker AWir sprechen heute über ein wirklich wichtiges Thema, eines, das oft so unsichtbar bleibt, obwohl es ja eigentlich so viele von uns betrifft.
Speaker ATrauer am Arbeitsplatz.
Speaker AUnd da schwingt ja auch vor diese Spannung mit, oder?
Speaker AAuf der einen Seite bricht das persönliche Leben komplett aus den Fugen.
Speaker BJa.
Speaker AUnd auf der anderen Seite läuft der berufliche Kalender einfach weiter.
Speaker AE Mails, Termine, Erwartungen, die nehmen ja keine Rücksicht.
Speaker BDieser Konflikt, der ist total real.
Speaker BGenau.
Speaker BUnd die Kernfrage ist, was passiert eigentlich, wenn so etwas wie Trauer, also etwas, das so gar nicht in einen Kalender passt, auf diese total strukturierte Welt der Arbeit trifft?
Speaker BWie gehen wir damit um?
Speaker BUnd das ist ja eben keine seltene Ausnahmesituation.
Speaker BIch fand die eine Zahl so beeindruckend, die in den Unterlagen stand.
Speaker BWelche meinst du, dass schätzungsweise 4,7 Millionen Beschäftigte in Deutschland zu jedem Zeitpunkt in einer akuten Trauersituation sind?
Speaker AWahnsinn.
Speaker BDas ist ja in fast jedem größeren Team eine tägliche Realität.
Speaker BUnd trotzdem behandeln wir es oft wie ein Tabu.
Speaker AJa, absolut.
Speaker BUnd ich glaube, genau darum soll es heute warum dieses Schweigen so schädlich ist, welche entscheidende Rolle Führungskräfte dabei spielen und wie man vielleicht ein Umfeld schaffen kann, in dem man einfach Mensch sein darf, auch dann, wenn das Leben gerade zerbricht.
Speaker ALass uns doch genau da anfangen, bei diesem Schweigen.
Speaker ATrauer gilt bei uns ja als privat und natürlich ist sie das auch.
Speaker ASie ist ja zutiefst intim.
Speaker AAber die Idee, dass man sie an der Bürotür einfach abgeben kann, das funktioniert nicht.
Speaker ANein, sie sitzt mit am Schreibtisch und es zeigt sich ja, es sind ja nicht immer die Tränen, die man sieht.
Speaker BGanz im Gegenteil, es ist oft diese.
Speaker ABleierne Müdigkeit oder die Konzentration, die nach zehn Minuten einfach wegbricht.
Speaker AManchmal auch eine ungewohnte Reizbarkeit oder einfach eine komplette Stille, wo früher vielleicht Lebhaftigkeit war.
Speaker BGenau diese subtilen Zeichen sind es.
Speaker BUnd das Problem, das durch dieses Nicht Benennen entsteht, ist dieser enorme Druck.
Speaker BDie betroffene Person investiert ja unglaublich viel Energie, um unauffällig zu bleiben, um nicht zur Last zu fallen.
Speaker BUnd die Kollegen sind unsicher, treten auf Zehenspitzen, meiden vielleicht sogar den Kontakt aus Angst, was Falsches zu sagen und und.
Speaker ADie Vorgesetzten hoffen, so ehrlich muss man sein.
Speaker AOft insgeheim dass sich das Problem von selbst erledigt.
Speaker BGenau.
Speaker BAber das Ergebnis ist ja nicht, dass die Trauer verschwindet.
Speaker BNein, sie wird nur unendlich einsam.
Speaker AUnd diese Einsamkeit ist dann eine zweite Belastung obendrauf.
Speaker AMan kämpft also nicht nur mit dem Verlust, sondern auch noch damit, diese Fassade aufrechtzuerhalten.
Speaker BEin zermürbender Kraftakt.
Speaker AMan muss einen riesigen Teil seiner Realität verstecken, nur um als professionell oder leistungsfähig zu gelten.
Speaker BUnd genau an diesem Punkt kommt die Führungskraft ins Spiel.
Speaker BIhr Verhalten, ihre erste Reaktion, die setzt den Ton für alle anderen.
Speaker ASie beantwortet im Grunde diese eine unausgesprochene Frage im Darf man hier Mensch sein?
Speaker ADarf man hier Schwäche zeigen?
Speaker AOK, Aber wie sieht diese erste Reaktion denn idealerweise aus?
Speaker ADas ist ja für viele die große Hürde, die Angst, übergriffig zu sein, was Falsches zu sagen.
Speaker BAbsolut.
Speaker BDiese Sorge ist total verständlich.
Speaker AUnd am Ende sagt man aus Unsicherheit lieber gar nichts.
Speaker BUnd das ist das Schlimmste.
Speaker BAber es geht ja gar nicht darum, eine perfekte Lösung oder ein fertiges Skript parat zu haben.
Speaker BEs geht vielmehr darum, eine Einladung auszusprechen.
Speaker AEine Einladung?
Speaker AJa, ganz einfach.
Speaker AEtwas Ich habe gehört, was passiert ist und das tut mir aufrichtig leid.
Speaker AIch denke an dich.
Speaker BOkay, nimm dir die Zeit, die du brauchst.
Speaker BUnd wenn du bereit bist, lass uns kurz sprechen, was du von mir und dem Team jetzt brauchst, damit der Arbeitsalltag für dich machbar wird.
Speaker BDas öffnet eine Tür, ohne die Person zu drängen, hindurchzugehen.
Speaker BAber was ist denn die Antwort dann?
Speaker BEinfach nur Danke.
Speaker BAlles okay.
Speaker AJa, die Standardreaktion.
Speaker BGenau.
Speaker BMit der man niemanden belasten will.
Speaker AViele würden das als Zeichen nehmen, sich zurückzuziehen.
Speaker BUnd genau das wäre der Fehler.
Speaker BDieses alles OK ist ja oft ein Schutzreflex.
Speaker BWas es dann braucht, ist eine sanfte Beharrlichkeit.
Speaker AAlso nicht aufdringlich, aber aber verlässlich, dass.
Speaker BMan vielleicht eine Woche später noch mal nachfragt.
Speaker BIch wollte nur hören, wie es dir geht.
Speaker BDas Angebot von letzter Woche steht weiterhin.
Speaker BDie Haltung dahinter ist entscheidend.
Speaker BIch sehe dich, ich dränge mich nicht auf, aber ich bin da und ich akzeptiere, dass du gerade anders funktionierst als sonst.
Speaker BUnd das ist in Ordnung.
Speaker BManchmal ist das Aushalten von Stille die größte Unterstützung.
Speaker AGenau.
Speaker BWenn diese Tür dann einen Spalt offen ist, braucht es ja konkrete Angebote.
Speaker BWorte allein reichen nicht.
Speaker BUnd diese Angebote müssen ja flexibel und individuell sein, weil Trauer eben nicht nach Schema F verläuft.
Speaker AAbsolut.
Speaker ATrauer kommt in Wellen.
Speaker AEin Arbeitstag kann morgens okay sein und nachmittags plötzlich unerträglich werden.
Speaker BStimmt.
Speaker BDeshalb sind die naheliegenden Dinge oft die wirksamsten.
Speaker BMaximale Flexibilität bei den Arbeitszeiten, Homeoffice, die Möglichkeit, die Arbeitszeit temporär zu reduzieren oder.
Speaker AAuch die aktive Entlastung von besonders stressigen Projekten.
Speaker ADas muss ja als klares Angebot vom Vorgesetzten kommen.
Speaker BJa, unbedingt.
Speaker AWas es da besonders spannend fand, war ein Punkt auf der psychologischen Studie.
Speaker AJa, es war weniger die Art der Unterstützung, die den größten Unterschied gemacht hat, sondern das Ausmaß an Kontrolle, das die trauernde Person darüber hatte.
Speaker BAh, okay.
Speaker BDas ist interessant.
Speaker BDieses Gefühl, selbst entscheiden zu können.
Speaker BDieses Projekt behalte ich, weil es mir Halt gibt, aber jenes gebe ich ab, weil ich den Druck nicht aushalte.
Speaker BVerstehe diese zurückgewonnene Autonomie in einem kleinen Bereich, wenn das restliche Leben sich so anfühlt, als hätte man jede Kontrolle verloren.
Speaker BGenau das ein absolut zentraler Punkt.
Speaker BEs geht nicht darum, jemanden zu bevormunden.
Speaker BEs geht darum, Optionen zu schaffen.
Speaker ADazu gehört dann wohl auch ausreichend bezahlter Sonderurlaub, also mehr als das gesetzliche Minimum von ein, zwei Tagen.
Speaker BUnbedingt.
Speaker BDas ist ein unmissverständliches Signal vom Unternehmen.
Speaker BDas Deine menschliche Not ist uns wichtiger als deine unmittelbare Arbeitsleistung.
Speaker BEs nimmt diesen furchtbaren Druck, zwischen Trauer und Existenzsicherung wählen zu müssen.
Speaker AGenau.
Speaker BUnd dann sind da noch diese kleineren, oft übersehenen Gesten, die sind so wichtig.
Speaker ADie Managerin in dem einen Blogbeitrag hat ja geschrieben, dass das, was sie am meisten berührt hat, keine große Geste der Geschäftsführung war, sondern sondern eine schlichte Kondolenzkarte, die das ganze Team unterschrieben hatte und ein Kollege, der ihr einfach kommentarlos eine Tasse Tee auf den Tisch gestellt hat.
Speaker ADinge, die sagen wir sehen deinen Schmerz und wir gehen ihn nicht aus dem Weg.
Speaker BGenau diese kleinen Gesten sind das Fundament einer fürsorglichen Kultur.
Speaker BGenauso wie das Angebot professioneller Beratung, falls.
Speaker AEs so etwas gibt, Aber eben als freiwillige Unterstützung kommuniziert, nicht als Signal, dass man repariert werden muss.
Speaker BGenau.
Speaker BEs ist wie eine offene Hand.
Speaker BMan präsentiert nicht ein Menü, das abgehakt wird, sondern hier sind die Möglichkeiten Greif zu, wenn und falls du es für richtig hältst.
Speaker ADas ist ein gutes Stichwort, denn die Trauer betrifft ja nicht nur die eine Person, sondern auch das ganze Team.
Speaker ADa entsteht ja oft eine doppelte Unsicherheit.
Speaker BJa, die menschliche und die organisatorische.
Speaker AWas darf ich sagen?
Speaker AWie verhalte ich mich richtig und wie fangen wir jetzt die Arbeit auf?
Speaker BUnd beide Unsicherheiten muss die Führungskraft adressieren.
Speaker BBehutsam.
Speaker BAber klar, der erste Schritt ist immer die absolute Absprache mit der betroffenen Person.
Speaker AWas darf ich dem Team sagen?
Speaker BGenau.
Speaker BManche möchten Offenheit, andere wollen nur, dass von einem schweren Verlust in der Familie gesprochen wird.
Speaker BBias ist es völlig legitim Und die.
Speaker AFührungskraft kann dann anbieten, diese Kommunikation zu übernehmen, um die Person zu entlasten.
Speaker BRichtig.
Speaker BUnd dann kommt die Aufgabenverteilung.
Speaker BDas ist ein heikler Moment.
Speaker AMan will ja niemanden ersetzen oder das Gefühl geben, überflüssig zu sein.
Speaker ADie Sprache ist da alles, oder?
Speaker BAbsolut.
Speaker AWir übernehmen das jetzt mal, damit du den Kopf frei hast.
Speaker AKlingt ja ganz anders als ein kurzes Keine Sorge, das regeln wir schon ohne dich.
Speaker BDas eine ist Fürsorge, das andere klingt nach Ausschluss.
Speaker BSprache ist hier keine Kosmetik, sie ist alles.
Speaker BSie ist Ausdruck der Haltung.
Speaker AUnd damit diese Haltung nicht vom Zufall.
Speaker BAbhängt, also davon, ob man gerade eine empathische Führungskraft hat oder nicht, braucht es Strukturen.
Speaker ADenn die meisten Verletzungen passieren ja nicht aus böser Absicht, sondern aus reiner Unklarheit und Überforderung.
Speaker BGenau das bringt uns zu diesem Konzept einer Trauer Policy.
Speaker BIch muss zugeben, mein erster Impuls bei dem Wort Policy ist Das klingt furchtbar bürokratisch und kalt.
Speaker BVerstehe ich total.
Speaker AKann man so etwas Persönliches wie Trauer wirklich in eine Richtlinie pressen, ohne dass es seine Menschlichkeit verliert?
Speaker BDas ist die entscheidende Frage.
Speaker BAber es geht ja nicht darum, Empathie zu verordnen.
Speaker BEs geht darum, ein Geländer zu bauen, an dem sich alle festhalten können, wenn sie emotional ins Schwanken geraten.
Speaker AEin Geländer, das ist ein schönes Bild.
Speaker ASo eine Richtlinie schafft Verlässlichkeit.
Speaker ASie beantwortet ganz praktische Fragen, um die niemand in einer Ausnahmesituation kämpfen wollen sollte.
Speaker AWer ist mein Ansprechpartner?
Speaker AWie wird kommuniziert?
Speaker AWelche Angebote gibt es und wo finde ich sie?
Speaker BOK, so gesehen ist es also eher ein Sicherheitsnetz.
Speaker BDas Klarheit schafft, wenn allen die Worte fehlen.
Speaker AGenau.
Speaker AEs verlagert den Fokus von Hoffentlich macht mein Chef das Richtige zu.
Speaker AWir als Organisation haben uns darauf verständigt, wie wir füreinander da sind.
Speaker BDas macht Sinn.
Speaker AUnd dieses Netz ist besonders wichtig für die Zeit danach.
Speaker ADenn Trauer ist ja kein Sprint, der nach ein paar Wochen vorbei ist.
Speaker BNein, es ist ein Marathon.
Speaker BDas war einer der wichtigsten Punkte für mich.
Speaker BDie akute Phase geht vielleicht vorbei, die Person kommt zurück, funktioniert wieder, lacht vielleicht.
Speaker ASogar von außen sieht alles normal aus.
Speaker AGenau.
Speaker AUnd dann zieht sich oft das gesamte soziale Unterstützungssystem zurück.
Speaker AAber innerlich beginnt oft erst dann die eigentliche zermürbende Trauerarbeit, wenn der erste Schock nachlässt.
Speaker BUnd genau hier zeigt sich, ob eine Kultur wirklich tragfällig ist.
Speaker BEs braucht eine Begleitung, die nicht aufdringlich ist, aber die Tür offen hält.
Speaker AWie kann das aussehen?
Speaker ADurch regelmäßige kurze Check ins, Kein großes, schweres Gespräch, eher beim Kaffee ein Wie geht es dir gerade?
Speaker AGibt es etwas, das dir diese Woche helfen würde?
Speaker ADie Botschaft ist Ich habe nicht vergessen, was du durchmachst.
Speaker BGenau.
Speaker BUnd du musst nicht erst wieder zusammenbrechen, um Unterstützung zu bekommen.
Speaker AAuch die Sensibilität für bestimmte Daten.
Speaker AJahrestage zum Beispiel wird ja immer wieder genannt.
Speaker BJa, die sogenannten Trigger, Der Geburtstag des Verstorbenen, der Todestag, die Feiertage, das können.
Speaker AMomente sein, in denen der Schmerz plötzlich wieder mit voller Wucht da ist.
Speaker BUnd hier kann eine Führungskraft stillen Schutz bieten, ohne ein großes Thema draus zu machen.
Speaker BEs gab da dieses eine wundervolle Beispiel.
Speaker BErzähl Der Chef der Managerin hatte sich den Todestag ihres Mannes in seinen Kalender eingetragen.
Speaker BOh, eine Woche vorher kam er zu ihr und sagte, ich weiß, nächste Woche ist ein schwerer Tag.
Speaker BWenn du an dem Tag nicht kommen möchtest oder früher gehen willst, sag einfach Bescheid.
Speaker BKeine Erklärung nötig.
Speaker AWow.
Speaker BUnd sie schrieb, diese kleine Geste der Voraussicht habe ihr mehr bedeutet als alle Beileidsbekundungen am Anfang.
Speaker ADas kann ich mir vorstellen.
Speaker AWenn man das alles so zusammennimmt, dann geht es ja wirklich um viel mehr als nur Krisenmanagement.
Speaker BAbsolut.
Speaker AEs geht darum, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der Verletzlichkeit kein Defizit ist.
Speaker BDas ist der Kern.
Speaker BEine Reiße Trauerkultur erkennst du nicht an lauten Programmen so, sondern an den kleinen Selbstverständlichkeiten.
Speaker AWoran?
Speaker BZum Beispiel daran, dass eine Pause mehr als in Ordnung ist.
Speaker BDaran, dass Teams wissen, wie sie reagieren können, ohne in peinliches Schweigen zu verfallen.
Speaker BEs geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem niemand seine Trauer verstecken muss, um als professionell zu gelten.
Speaker AEs gibt ja auch den Nutzen für das Unternehmen, so zynisch das erstmal klingt.
Speaker BAber es ist nicht zynisch, wenn man es richtig versteht.
Speaker AMitarbeiter, die sich in der schlimmsten Zeit ihres Lebens gehalten fühlen, entwickeln ja eine viel tiefere Bindung und ein größeres Vertrauen.
Speaker BZum Arbeitgeber, viel mehr als durch jede Gehaltserhöhung.
Speaker BEs ist keine Floskel, es ist gelebte Wertschätzung.
Speaker BAm Ende ist es eine Form der.
Speaker AAufmerksamkeit, die jedem Einzelnen Du bist hier nicht nur eine Arbeitskraft mit einer Funktion, du bist ein Mensch mit einem Leben.
Speaker BJa, und vielleicht ist die stillste und zugleich stärkste Form der Fürsorge, die wir am Arbeitsplatz zeigen können, gar nicht der Versuch, alles für jemanden lösen zu wollen, sondern einfach nur verlässlich und präsent zu sein, wenn das Leben wehtut.
Speaker AVerlässlich da sein, wenn das Leben wehtut, das fasst es wirklich gut zusammen.
Speaker AUnd wenn wir uns das jetzt alles so anschauen, bleibt vielleicht eine Frage für dich zum Nachdenken.
Speaker AJa, wir haben viel darüber gesprochen, was eine Führungskraft tun kann.
Speaker AAber was wäre die eine kleine konkrete Sache, die du morgen tun könntest, um dein Teamumfeld zu einem Ort zu machen, an dem es ein kleines bisschen sicherer ist, menschlich zu sein, lange bevor die nächste Krise überhaupt eintritt?