Hast du dich jemals gefragt, warum die Nacht nach einem schweren Verlust so unendlich lang werden kann und auch so so laut, obwohl um dich herum eigentlich alles still ist?
Speaker BMhm.
Speaker BDiese Frage trifft es genau.
Speaker BDieses Gefühl von Leere und Unruhe, das ganz viele in der Dunkelheit spüren.
Speaker AGenau.
Speaker AUnd wir wollen heute mal darüber sprechen, warum Trauer einem den Schlaf rauben kann.
Speaker BJa, wir schauen uns an, was da eigentlich im Körper und in der Seele passiert.
Speaker AUnd wir wollen auch ein paar sanfte Wege erkunden, wie man in diesen Nächten vielleicht ein bisschen Halt finden kann, ein bisschen Ruhe.
Speaker BIch glaube, das ist ein Punkt, den viele nachvollziehen können.
Speaker BDiese seltsame Mischung aus völliger Erschöpfung und gleichzeitig dieser inneren Anspannung, die einen einfach nicht zur Ruhe kommen lässt.
Speaker AJa, genau.
Speaker BLass uns vielleicht genau da mal anfangen.
Speaker ADieses Gefühl, müde zu sein, aber innerlich total unruhig.
Speaker ADer Körper ist erschöpft, aber der Kopf, der läuft auf Hochtouren.
Speaker BExakt.
Speaker BUnd das ist nicht nur ein Gefühl, das ist eine ganz konkrete körperliche Stressreaktion.
Speaker AOkay.
Speaker BUnser Körper schüttet nämlich das Stresshormon Cortisol aus.
Speaker BDas hält uns wach und aufmerksam, auch wenn wir eigentlich dringend Ruhe bräuchten.
Speaker ADas heißt, der Körper kann gar nicht in diesen Nachtmodus wechseln.
Speaker BGenau, er bleibt im Alarmzustand.
Speaker BUnd gleichzeitig arbeitet das Gehirn nachts auf Hochtouren, um das Unfassbare irgendwie einzuordnen, die ganzen Emotionen zu verarbeiten.
Speaker AUnd das führt dann zu diesem unruhigen Schlaf, zum ständigen Aufwachen.
Speaker AWas ich auch so einleuchtend fand, war der Gedanke, dass dieser Verlustschmerz ja nicht nur seelisch ist, er ist auch neurobiologisch verankert, fast wie körperlicher Schmerz.
Speaker BStimmt.
Speaker BDas System ist dadurch sozusagen doppelt belastet.
Speaker AUnd diese Schlafprobleme, die können ja ganz verschiedene Gesichter haben.
Speaker ADas ist ja bei jedem auch anders.
Speaker BTotal.
Speaker BVielleicht erkennst du dich ja in einem der Muster wieder, die wir uns mal anschauen.
Speaker ADa sind zum einen diese klassischen Einschlafprobleme.
Speaker ADie Stille der Nacht macht die Gedanken plötzlich so unglaublich laut.
Speaker BJa, dieses Gedankenkarussell.
Speaker AWas wäre, wenn ich hätte doch, wie soll ich nur ohne sie oder ihn weiterleben?
Speaker ADiese Fragen, die immer wieder kommen.
Speaker BUnd dann gibt es ja die, die vielleicht einschlafen aber dann mitten in der.
Speaker ANacht wieder aufwachen, genauso um 2 oder 3 Uhr mit diesem Gefühl von Panik oder einfach nur einer riesigen Leere.
Speaker BDas sind die schmerzhaftesten Stunden, habe ich oft das Gefühl, weil jede Ablenkung, jede Hilfe so unendlich weit weg scheint.
Speaker BJa, man wacht morgens auf und fühlt.
Speaker ASich wie gerädert, obwohl man vielleicht acht Stunden im Bett lag.
Speaker BGenau.
Speaker BMan ist tagsüber wie benebelt, kann sich kaum konzentrieren, ist emotional total schnell überfordert.
Speaker ADas ist dieser Teufelskreis.
Speaker ADie Trauer führt zu schlechtem Schlaf und.
Speaker BDer schlechte Schlaf macht einen noch anfälliger für die Wucht der Trauer am nächsten Tag.
Speaker AWas sich dann oft entwickelt, ist eine richtige Angst vor der Nacht.
Speaker BJa, die Angst vor dem leeren Bett.
Speaker AOder einfach nur vor der Stille im Zimmer.
Speaker BMan zögert das Zubettgehen hinaus, lässt vielleicht das Licht an oder das Radio leise.
Speaker ALaufen, nur um diese Stille irgendwie zu füllen.
Speaker ADie Trauer fühlt sich im Dunkeln einfach noch mal so viel größer an.
Speaker BUnd was auch dazu kommt, sind ja oft die Träume.
Speaker BSehr intensive, verstörende Träume.
Speaker AOh ja, Träume, in denen der geliebte Mensch plötzlich wieder da ist.
Speaker BUnd das Aufwachen reißt den Verlust dann jedes Mal aufs Neue auf.
Speaker AEs ist brutal.
Speaker ADer ganze Schlaf Wach Rhythmus kann sich komplett verschieben.
Speaker ATagsüber ist man todmüde und nachts dann.
Speaker BHellwach, weil das innere Zeitgefühl durch diesen Schock, durch den Verlust einfach total durcheinandergeraten ist.
Speaker AWenn man das alles so hört, dann wird einem Es gibt nicht die eine Lösung.
Speaker BNein, auf keinen Fall.
Speaker BUnd das ist auch wichtig zu betonen.
Speaker BEs gibt keine schnellen Lösungen, sondern nur sanfte Angebote, die man ohne Druck für sich ausprobieren kann.
Speaker AEin Punkt, der immer wieder genannt wird.
Speaker BIst soziale Nähe, Dass man die Einsamkeit der Nacht nicht alleine tragen muss.
Speaker AUnd das kann ja ganz unterschiedlich aussehen.
Speaker AEinen Besuch am Abend, ein Telefonat vor.
Speaker BDem Einschlafen oder einfach nur die Absprache, dass man sich melden darf, wenn es ganz schlimm wird.
Speaker BAllein dieses Wissen da ist, weiß jemand, das kann schon so viel Druck nehmen.
Speaker AJa, das stimmt.
Speaker BEin anderer Bereich ist die sogenannte Schlafhygiene, aber da muss man, glaube ich, vorsichtig sein.
Speaker AWie meinst du das?
Speaker BNaja, es geht nicht um strenge Regeln, die man befolgen muss.
Speaker BDas erzeugt nur noch mehr Druck, wenn es nicht klappt.
Speaker AAlso nicht Du musst um 10 im Bett sein.
Speaker BGenau, sondern es geht um sanfte Signale an den Körper, einen ruhigen Abendrhythmus finden, vielleicht mit leiser Musik, einem warmen Getränk.
Speaker AReize reduzieren, grelles Licht vom Handy, laute.
Speaker BNachrichten und den Schlafplatz so gestalten, wie es sich für einen selbst stimmig anfühlt.
Speaker AUnd was ist mit diesen Gedankenfluten?
Speaker AMan kann sie ja nicht einfach abstellen.
Speaker BNein, wegzudrücken versucht man ja sowieso die ganze Zeit.
Speaker BEs geht eher darum, ihnen einen anderen Platz zu geben.
Speaker AWie kann das aussehen?
Speaker BManche lagern ihre Gedanken sozusagen in ein Notizbuch aus.
Speaker BEinfach alles aufschreiben, was einen quält und das Buch dann bewusst schließen und weglegen.
Speaker AAh, um es für die Nacht abzuschließen.
Speaker BGenau.
Speaker BOder ganz simple Atemübungen.
Speaker BEinfach nur darauf achten, länger aus, als einzuatmen.
Speaker BDas beruhigt das Nervensystem.
Speaker AOder auch eine sanfte Ablenkung, ein ruhiges Hörbuch, dem man einfach nur lauscht.
Speaker BEs geht darum, sich selbst auch Pausen vom Schmerz zu gönnen, das es erlaubt.
Speaker AUnd was auch Halt geben kann, ist eine leise Struktur für den Tag.
Speaker BJa, wenn innerlich so vieles haltlos ist.
Speaker ADas müssen ja keine großen Dinge sein, aber vielleicht einfach versuchen, zur gleichen Zeit.
Speaker BAufzustehen, eine einfache Morgenroutine, ein kurzer Spaziergang bei Tageslicht, um den inneren Rhythmus zu unterstützen.
Speaker BDas sind alles kleine Anker.
Speaker AAbsolut.
Speaker AJetzt ist es ja so, dass Schlafprobleme in den ersten Wochen irgendwie normal sind.
Speaker BJa, das gehören leider dazu.
Speaker AAber wann ist der Punkt erreicht, an dem man sich vielleicht weitere Unterstützung suchen sollte?
Speaker BAlso ein Warnsignal ist es sicher, wenn die Schlafprobleme über viele Wochen anhalten und sich gar nicht bessern, wenn man merkt.
Speaker AMan funktioniert tagsüber kaum noch.
Speaker BGenau, wenn man seinen Alltag nicht mehr bewältigen kann oder dieses Gefühl hat, innerlich komplett festgefahren zu sein, wenn sich gar.
Speaker ANichts mehr bewegt und sich dann professionelle Hilfe zu holen bei Trauerberatungsstellen oder Selbsthilfegruppen.
Speaker ADas ist ja kein Zeichen von Schwäche.
Speaker BNein, im Gegenteil.
Speaker BEs ist ein Zeichen von großer Fürsorge für sich selbst.
Speaker BMan muss diesen Weg nicht allein gehen.
Speaker AWenn wir das jetzt alles mal so zusammenfassen, was ist die wichtigste Botschaft?
Speaker AFür mich ist schlaflose Nächte in der Trauer sind kein Versagen, sie sind kein.
Speaker BFehler, sondern sie sind ein Ausdruck tiefer Verbundenheit und des tiefen Schmerzes.
Speaker BEs ist eine absolut verständliche Reaktion des Körpers und der Seele.
Speaker AUnd deshalb ist es so wichtig, freundlich mit sich zu sein, ja, sich die Erlaubnis zu geben, nicht zu funktionieren.
Speaker ADu darfst erschöpft sein, du darfst durcheinander sein.
Speaker BDas ist ein wichtiger Gedanke.
Speaker AUnd auch wenn es sich unvorstellbar anfühlt, der Schlaf kann zurückkehren.
Speaker AVorsichtig, vielleicht brüchig am Anfang, aber doch als ein leiser Begleiter.
Speaker BUnd das führt mich zu einem letzten Gedanken, etwas, das man vielleicht mit in die nächste schwere Nacht nehmen kann.
Speaker AJa, was wäre, wenn du aufhörst, gegen diese Schlaflosigkeit zu kämpfen, wenn du sie stattdessen als einen einen stillen Raum betrachtest?
Speaker AEinen stillen Raum, ja, einen Raum, in dem deine Trauer und deine Liebe einfach nur sein dürfen, ohne dass du irgendetwas tun musst, ohne dass du etwas leisten musst.
Speaker AEinfach nur sein.