Speaker A

Hallo, schön, dass du da bist.

Speaker B

Hallo.

Speaker A

Wenn ein Mensch geht, dann bleibt ja so viel mehr zurück als nur Trauer.

Speaker B

Ja, das stimmt.

Speaker A

Es bleiben wahnsinnig viele Fragen.

Speaker A

Vor allem die Frage, wie ein Abschied aussehen kann, der wirklich zu dem Leben passt, das dieser Mensch geführt hat.

Speaker B

Ein Abschied, der im Einklang mit der eigenen Haltung steht und auch im Einklang mit der Natur.

Speaker B

Ich glaube, das hat etwas sehr Tröstliches.

Speaker A

Genau das.

Speaker A

Wir wollen heute einfach mal ein bisschen lauter darüber nachdenken, darüber, welche Wege es gibt, den Körper ganz achtsam in die Natur natürlichen Kreislauf zurückzugeben.

Speaker A

Konkret geht es da um zwei Ansätze, die in Deutschland gerade wirklich ein Umdenken Anstoß die Wasserkremierung und die Reerdigung.

Speaker B

Lass uns vielleicht bei dem Gedanken anfangen, den so viele gerade spüren.

Speaker B

Dieses Gefühl oder dieser Wunsch, nicht nur im Leben, sondern auch am Ende keine Last zu sein.

Speaker A

Ja, absolut.

Speaker A

Man lebt heute so bewusst, ne?

Speaker A

Du trennst deinen Müll, du achtest auf deinen Fußabdruck, kaufst vielleicht regional und am Ende.

Speaker A

Paradoxerweise hinterlassen wir bei den traditionellen Bestattungen oft einen riesigen ökologischen Schaden.

Speaker B

Das ist genau der Punkt.

Speaker B

Da passiert gerade ein gewaltiger Wandel.

Speaker B

Die Art, wie wir über Bestattungen nachdenken, passt für viele einfach nicht mehr zu ihren Werten.

Speaker B

Eben die klassische Erdbestattung mit einem massiven Holzsarg oder auch die Feuerbestattung.

Speaker B

Das sind aus reiner Umweltsicht echte Schwergewichte.

Speaker A

Ja, das war für mich auch so ein richtiger Aha Moment, als ich mich damit näher beschäftigt habe.

Speaker A

Eine ganz normale Feuerbestattung verbraucht unfassbar viel Gas.

Speaker A

Oh ja, da entstehen Emissionen.

Speaker A

Das macht man sich gar nicht bewusst.

Speaker A

Und genau deshalb finde ich diese Alternativen so wichtig.

Speaker A

Lass uns doch direkt mal auf die Wasserkremierung schauen.

Speaker B

Gern.

Speaker B

In der Fachsprache nennt man das alkalische Hydrolyse.

Speaker A

Klingt sehr technisch.

Speaker B

Ja, total.

Speaker B

Das klingt erstmal unglaublich technisch und vielleicht auch ein bisschen kalt, aber im Kern ist es eine Einäscherung komplett ohne Flamme.

Speaker B

Ein ganz stiller Prozess.

Speaker A

Wie kann man sich das genau vorstellen?

Speaker B

Der Körper wird in einen geschlossenen Druckbehälter gebettet.

Speaker B

Dort ruht er in einer Mischung aus Wasser und einer Lauge.

Speaker B

Und unter leichtem Druck und hitze, so etwa 150 bis 180 Grad Celsius, zersetzt sich das Gewebe.

Speaker A

OK Moment, da muss ich ganz kurz einhaken.

Speaker A

Klar, wenn ich das Wort Lauge höre, habe ich sofort das Bild von einer Art Säure im Kopf, irgendwas Aggressives, das sich zischend durch das Gewebe frisst.

Speaker A

Ist das so?

Speaker B

Nein, überhaupt nicht.

Speaker B

Das ist ein ganz weit verbreiteter Irrtum.

Speaker B

Gern.

Speaker A

In der Fachsprache nennt man das alkalische Hydrolyse.

Speaker B

Klingt sehr technisch.

Speaker B

Ja, total.

Speaker B

Das klingt erstmal unglaublich technisch und vielleicht auch ein bisschen kalt.

Speaker B

Aber im Kern ist es eine Einäscherung komplett ohne Flamme.

Speaker B

Ein ganz stiller Prozess.

Speaker A

Wie kann man sich das genau vorstellen?

Speaker B

Der Körper wird in einen geschlossenen Druckbehälter gebettet.

Speaker B

Dort ruht er in einer Mischung aus Wasser und einer Lauge und unter leichtem Druck und hitze, so etwa 150 bis 180 Grad Celsius, zersetzt sich das Gewebe.

Speaker A

OK, Moment, da muss ich ganz kurz einhaken.

Speaker A

Klar, wenn ich das Wort Lauge höre, habe ich sofort das Bild von einer Art Säure im Kopf, irgendwas Aggressives, das sich zischend durch das Gewebe frisst.

Speaker A

Ist das so?

Speaker B

Nein, überhaupt nicht.

Speaker B

Das ist ein ganz weit verbreiteter Irrtum.

Speaker B

Chemisch gesehen ist eine Lauge exakt das Gegenteil einer Säure.

Speaker B

Meistens sprechen wir hier von Kaliumhydroxid.

Speaker B

Das ist im Grunde der Stoff, der auch in vielen kosmetischen Seifen vorkommt.

Speaker B

Da zischt absolut nichts.

Speaker A

Ah, verstehe.

Speaker A

Es ist vielmehr eine enorme Beschleunigung von dem, was bei einer normalen Erdbestattung über Jahrzehnte in der Erde passieren würde, nur eben innerhalb von ein paar Stunden.

Speaker B

Und die ökologischen Vorteile sind gewaltig.

Speaker B

Im Vergleich zur klassischen Einäscherung mit Feuer spart dieser Weg bis zu 90 Prozent Energie.

Speaker A

90 Prozent, ja, das ist enorm.

Speaker B

Und es gibt gar keine schädlichen Abgase, was ich auch extrem beruhigend Selbst problematische Rückstände, also wenn jemand stark Medikamente nehmen musste oder eine Chemotherapie hatte, das alles wird durch diesen Prozess komplett neutralisiert.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Toxikologisch ist das ein riesiger Gewinn für unsere Böden und für das Grundwasser.

Speaker B

Am Ende bleiben eigentlich nur zwei Dinge übrig, welche?

Speaker B

Einmal die Knochenteile, die werden dann getrocknet und zu einer feinen Asche verarbeitet.

Speaker B

Ganz ähnlich wie bei der klassischen Feuerbestattung.

Speaker B

Man kann sie dann in einer Urne beisetzen.

Speaker B

Und das andere das ist eine Flüssigkeit.

Speaker B

Und das ist der Punkt, an dem viele erstmal schlucken müssen.

Speaker A

Ja, ehrlich gesagt, als ich das zum ersten Mal gehört hab, dass da eine Flüssigkeit entsteht, die dann ins Abwasser geht, da dachte ich auch erst puh, das ist die größte psychologische Hürde, den Opa ins Abwasser spülen.

Speaker A

Das klingt halt einfach hart.

Speaker B

Absolut.

Speaker B

Das schreckt viele ab.

Speaker B

Aber wenn man sich die reine Biologie dahinter ansieht, wird es tröstlicher.

Speaker A

Inwiefern?

Speaker B

Diese Flüssigkeit hat nichts mehr mit dem menschlichen Körper im herkömmlichen Sinne zu tun.

Speaker B

Sie ist vollkommen steril, Da ist keine DNA mehr drin, gar nichts mehr.

Speaker B

Nichts.

Speaker B

Es ist eine Mischung aus Aminosäuren, Peptiden, Salzen und Zucker.

Speaker B

Das sind quasi die absolut grundlegendsten Bausteine des Lebens.

Speaker A

Das ändert die Perspektive natürlich.

Speaker B

In manchen Ländern, wo das schon länger gemacht wird, wird diese Flüssigkeit sogar als sehr hochwertiger Dünger für die Landwirtschaft genutzt.

Speaker A

Ein ganz reiner Kreislauf, ein wunderschöner Gedenke eigentlich.

Speaker A

Man gibt dem Boden genau das zurück, was man zum Leben gebraucht hat.

Speaker A

Ja, aber das ist ja leider der Haken hier bei uns in Deutschland.

Speaker A

Für Menschen ist das aktuell noch gar nicht zugelassen.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Unser Bestattungsrecht ist da unfassbar streng.

Speaker A

Aber die Technik an sich, das fand ich total überraschend, die ist längst hier bei uns.

Speaker B

Ja, das ist sie.

Speaker A

Seit Anfang 2024 gibt es in Schwäbisch Hall ein Tierbestattungsunternehmen, das genau diese Wassercremierung anbietet für Hunde, Katzen und das wird wahnsinnig gut angenommen.

Speaker A

Total viele Tierbesitzer sagen, dass es für sie ein unfassbar beruhigendes Gefühl ist, dass ihr geliebtes Tier eben nicht verbrannt wird, dass da keine Flammen sind, sondern Wasser.

Speaker A

Wasser ist ja irgendwie sanfter, es ist ein weicheres Element.

Speaker A

Ja.

Speaker B

Für viele Menschen ist die Abwesenheit von Feuer ein ganz zentraler Trost.

Speaker A

Und es zeigt uns ja, der Wandel ist da.

Speaker A

Die Technik funktioniert sicher.

Speaker A

Es ist im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis das auch für uns Menschen legal wird.

Speaker B

Das ist so oft so bei neuen Wegen.

Speaker B

Sie brauchen Zeit, um im Rechtssystem anzukommen.

Speaker B

Ja, was uns eigentlich perfekt zu einem anderen Konzept bringt.

Speaker B

Wenn das erste Wasser war, dann gehen wir jetzt mal in Richtung Erde zur sogenannten Reerdigung.

Speaker A

Die Reerdigung, ein so schönes Wort irgendwie,

Speaker B

finde ich auch, es nimmt den Abschied nicht als Endpunkt sondern eher als Rückkehr.

Speaker A

Bei der klassischen Beerdigung sperren wir den Körper ja in eine Kiste, oft aus massivem Holz, um ihn förmlich vor der Natur zu schützen.

Speaker A

Bei der Reerdigung ist das genau umgekehrt.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Der Leichnam wird unbekleidet in einen speziellen Kokon gebettet.

Speaker B

Er ist dort umgeben von ganz natürlichen Stroh, Grünschnitt, Blumen.

Speaker A

Das klingt wahnsinnig friedlich, wie ein weiches Bett aus der Natur.

Speaker B

Das ist es auch.

Speaker B

Und was dann passiert, ist ein sehr stiller, aber aktiver Prozess der Zeit.

Speaker A

Es geht ja nicht in Minuten.

Speaker B

Nein, überhaupt nicht.

Speaker B

Es dauert etwa 40 Tage.

Speaker B

Kontrolliert durch etwas Feuchtigkeit und Sauerstoff entsteht in dieser Zeit Humuserde.

Speaker A

40 Tage.

Speaker A

Das ist, wenn man drüber nachdenkt, eine wirklich tröstliche Zeitspanne.

Speaker A

Man hat irgendwie das Gefühl, der Mensch ist nicht einfach sofort weg.

Speaker A

Er transformiert sich langsam.

Speaker B

Ein stilles Werden, Ja, ein sanfter Übergang.

Speaker B

Und das Faszinierende ist, dass das alles ohne chemische Zusätze passiert.

Speaker B

Die Natur macht das ganz von allein

Speaker A

durch die Mikroorganismen oder genau die Mikroben,

Speaker B

die wir selbst in uns tragen, zusammen mit denen aus dem Stroh und den Blumen.

Speaker B

Das ist ein Kompostierungsprinzip.

Speaker B

Und dabei entsteht eine ganz natürliche hitze,

Speaker A

bis zu 70 Grad, habe ich gelesen.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Und diese Temperatur ist wichtig, weil sie sicherstellt, dass alle Krankheitserreger oder Medikamentenreste abgebaut werden.

Speaker A

Und die Knochenteile, die üblich bleiben, werden dann zerkleinert und dieser Erde beigemischt.

Speaker A

So wie bei der Asche eigentlich.

Speaker B

Ganz genau.

Speaker B

Und am Ende hat man wunderschöne, tiefschwarze Humuserde.

Speaker A

Aber auch hier, wenn du uns jetzt zuhörst und denkst, das fühlt sich richtig an, wir sind immer noch in Deutschland

Speaker B

der gute alte Friedhofszwang.

Speaker A

Ja, dieses eiserne Gesetz, du kannst diese Erde nicht einfach mitnehmen und unter deinem Lieblingsbaum im Garten verstreuen.

Speaker B

Nein, aktuell darf diese eigentliche Reha Degung, also der Prozess in diesem Kokon, nur in Schleswig Holstein durchgeführt werden.

Speaker A

Immerhin ein Bundesland, das vorangeht.

Speaker B

Ja, absolut.

Speaker B

Und beigesetzt werden darf diese Erde dann in Schleswig Holstein, in Mecklenburg Vorpommern und in Hamburg.

Speaker B

Dort gibt es spezielle Flächen auf Friedhöfen dafür.

Speaker A

Das heißt, wenn du jetzt irgendwo im Süden wohnst, in Bayern oder Baden Württemberg, ist das mit wahnsinnig viel Aufwand verbunden.

Speaker B

Und das bringt uns ganz behutsam zu einem Thema, über das man in der Trauer ungern spricht, das aber zur Realität gehört.

Speaker B

Das Geld.

Speaker A

Ja, wir müssen über die Kosten reden.

Speaker A

Nüchternheit hilft ja manchmal auch, wenn man im Nebel der Trauer steckt.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Es gibt da Orientierung.

Speaker B

Die Kosten für eine Reerdigung liegen momentan zwischen etwa und Euro.

Speaker A

Das ist eine gewaltige Spanne.

Speaker B

Ja, und das liegt vor allem an der Logistik.

Speaker B

Der Prozess im Kokon hat natürlich seinen Preis.

Speaker B

Aber was es teuer macht, sind oft die Überführungen, wenn der Körper quer durch Deutschland gefahren werden muss und dann noch die Gebühren für den Frieden, Friedhof.

Speaker A

Das summiert sich leider.

Speaker B

Ja.

Speaker B

Neue Wege brauchen eben oft Zeit, bis sie flächendeckend und für alle leicht zugänglich sind.

Speaker A

Aber trotzdem, allein das Wissen, dass es diese Wege gibt, verändert etwas, oder?

Speaker B

Absolut.

Speaker A

Wenn man all das hört, die Wasserkremierung, die Reerdigung, dann fragt man sich, was ist denn jetzt das Richtige?

Speaker A

Was soll einem bei diesen Entscheidungen Halt geben?

Speaker B

Ich glaube fest daran, dass es da überhaupt kein Richtig oder Falsch gibt.

Speaker B

Es geht nicht darum, die eine perfekte Methode zu finden, die alle machen müssen.

Speaker B

Es geht vielmehr um das Ja, um so ein leises inneres.

Speaker A

Ja, das hast du schön gesagt.

Speaker A

Ein innerer Kompass.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Man kann sich selbst Fühlt sich dieser Weg für mich würdevoll an?

Speaker B

Spüre ich da eine Nähe zur Natur, die mir Trost spendet?

Speaker A

Und auch ganz Was ist bei mir im Bundesland überhaupt machbar, ohne meine Familie logistisch komplett zu überfordern?

Speaker B

Ja, auch das ist Fürsorge.

Speaker A

Welche Rituale geben den Menschen, die zurückbleiben, wirklich Trost?

Speaker A

Manchen ist das Feuer vielleicht nah, anderen das Wasser und für wieder andere ist Der Gedanke an 40 Tage im Strohkokon das friedlichste auf der Welt.

Speaker A

Eben.

Speaker B

Und wer sich mit all dem beschäftigt, und sei es nur in Gedanken beim Kaffeetrinken, der tut das niemals zu früh.

Speaker A

Niemals.

Speaker B

Ich empfinde es als einen tiefgreifenden Ausdruck von Fürsorge.

Speaker B

Fürsorge für den Menschen, der am Ende des Tages geht und auch Fürsorge für die Welt, in der wir alle bleiben.

Speaker A

Das nimmt dem Ganzen auch diese Schwere, finde ich.

Speaker A

Die Angst vor dem Ende, weil in diesem Ende eben tatsächlich etwas Neues weiter wirken kann.

Speaker B

Absolut.

Speaker B

Abschied und Verantwortung dürfen miteinander verschmelzen und das ist doch eigentlich ein sehr hoffnungsvoller Gedanke.

Speaker A

Ja, das ist es.

Speaker A

Lass das einfach mal einen Moment sacken.