Speaker A

Hallo.

Speaker B

Hallo.

Speaker B

Schön, dass wir uns heute Zeit nehmen für dieses Thema.

Speaker A

Ja, ein sehr wichtiges Thema finde ich.

Speaker A

Es beschäftigt ja doch viele Menschen gerade im Alter.

Speaker B

Absolut.

Speaker B

Und manchmal ist es ja die Stille, die am lautesten ist, wenn ein vertrauter Mensch nicht mehr da ist.

Speaker B

Oder?

Speaker A

Oh ja, dieses Gefühl, wenn jemand fehlt, mit dem man Jahrzehnte verbracht hat.

Speaker A

Was passiert denn eigentlich mit der Zeit?

Speaker A

Die fühlt sich plötzlich so anders an.

Speaker B

Genau, das Lang und gleichzeitig leer, so hast du das mal beschrieben, glaube ich.

Speaker B

Das trifft es ziemlich gut.

Speaker A

Ja, lass uns vielleicht mal da ansetzen bei diesem Gefühl, wenn der vertraute Herzschlag neben einem fehlt.

Speaker B

Es ist ja nicht nur die eine Person, die geht.

Speaker B

Das ist so viel mehr.

Speaker A

Richtig.

Speaker A

Ein ganzer gemeinsamer Rhythmus bricht weg, Eine geteilte Geschichte über Jahre, Jahrzehnte gewachsen.

Speaker B

Ich musste an dieses Bild denken, das mal jemand benutzt hat.

Speaker B

Es ist, als würden im vertrauten Wohnzimmer plötzlich nachts alle Möbel umgestellt.

Speaker B

Oh ja, man kennt den Raum, aber man stößt sich dauernd, sucht nach Orientierung, nach halt, alles ist irgendwie fremd.

Speaker A

Das passt sehr gut, finde ich.

Speaker A

Und es trifft einen ja oft in einer Lebensphase, wo man dachte, das Leben ist eingespielt, es läuft so weiter, auf Dauer angelegt.

Speaker B

Ja, eben.

Speaker B

Und dann kommt dieser Bruch, so ein tiefer Einschnitt in die eigene Lebensgeschichte.

Speaker A

Manchmal hilft es ja zu wissen, dass man nicht der einzige Mensch ist, dem das passiert.

Speaker A

Rein statistisch ist es ja leider eine Realität im Alter.

Speaker B

Stimmt.

Speaker B

Die Wahrscheinlichkeit steigt mit den Jahren.

Speaker B

Und Frauen sind ja wegen der meist höheren Lebenserwartung tatsächlich häufiger betroffen.

Speaker A

Aber, und das ist wichtig, diese Zahlen, die machen den Schmerz ja nicht kleiner, den persönlichen Verlust.

Speaker B

Nein, natürlich nicht.

Speaker B

Aber vielleicht dieses Wissen, diese stille Verbundenheit mit anderen, die Ähnliches durchmachen, dass man eben nicht völlig allein damit ist, auch wenn jeder Weg durch die Trauer natürlich einzigartig ist.

Speaker A

Absolut.

Speaker A

Und diese Individualität, das ist auch so ein Punkt.

Speaker A

Es gibt ja kein richtiges Trauern, keinen Zeitplan.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Die Trauer hat so viele Gesichter, da ist diese tiefe, tiefe Traurigkeit, klar, aber.

Speaker A

Manchmal auch Wut oder sogar Erleichterung.

Speaker A

Das klingt vielleicht erstmal komisch, aber nach langer, schwerer Krankheit kann das ja auch vorkommen.

Speaker B

Ja, das darf auch sein.

Speaker B

Oder diese Taubheit, dieses Gefühl von Leere, als wär alles unwirklich und diese Gefühle.

Speaker A

Können ja wechseln, mal so, mal so von Stunde zu Stunde manchmal.

Speaker B

Und das ist OK.

Speaker B

Alles darf da sein.

Speaker B

Auch bei den Erinnerungen.

Speaker B

Mal wärmen sie einen wie eine Decke, mal tun sie einfach nur weh.

Speaker B

Beides gehört dazu.

Speaker A

Lass uns mal über den Alltag sprechen.

Speaker A

Das verändert sich ja auch so radikal.

Speaker A

Der leere Stuhl am Tisch oder die zweite Tasse Kaffee am Morgen, die man nicht mehr macht.

Speaker A

Der Mantel, der ungetragen an der Garderobe hängt.

Speaker A

So Kleinigkeiten sind das oft.

Speaker B

Aber die machen die Leere so spürbar.

Speaker A

Die Gewohnheiten verlieren plötzlich ihr Gegenü Und.

Speaker B

Dann muss man den Alltag ja auch neu organisieren.

Speaker B

Oft fallen einem Aufgaben zu, die vorher der Partner oder die Partnerin gemacht hat.

Speaker B

Das ist ja auch noch eine Belastung.

Speaker A

Ja, stimmt.

Speaker A

Und wie man damit umgeht, ist ja auch total unterschiedlich.

Speaker A

Manche ziehen sich erstmal zurück, brauchen diesen Schutz der eigenen vier Wände.

Speaker B

Verständlich.

Speaker A

Andere suchen vielleicht gerade dann die Nähe, den Kontakt.

Speaker A

Beides ist eine Form von Schutz, denke ich.

Speaker B

Und weiterleben heißt ja nicht so zu tun, als wäre nichts gewesen, sondern irgendwie im eigenen Tempo weiterzugehen.

Speaker B

Genau, dem eigenen Gefühl folgen, das ist.

Speaker A

Wohl das Wichtigste, was man vielleicht auch nicht vergessen Trauer spürt man ja nicht nur in der Seele.

Speaker A

Der Körper reagiert ja oft mit oh.

Speaker B

Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt.

Speaker B

Der Körper trauert mit.

Speaker A

Schlafprobleme sind da ganz häufig Oder der Appetit verändert sich.

Speaker A

Man kann sich schlecht konzentrieren, fühlt sich schlapp.

Speaker A

Manchmal spielt sogar der Kreislauf verrückt, als.

Speaker B

Würde der Körper Stopp, Ich brauche auch Zeit zum Verarbeiten.

Speaker A

Ja, deshalb ist es so wichtig, gut zu sich zu sein, freundlich mit sich selbst, nachsichtig und sich Hilfe zu suchen.

Speaker B

Wenn man sie braucht, egal ob medizinisch oder therapeutisch.

Speaker B

Das ist ja kein Zeichen von Schwäche.

Speaker B

Ganz im Gegenteil.

Speaker A

Absolut.

Speaker A

Das ist Selbstfürsorge.

Speaker B

Eng damit verbunden ist ja auch die Wie kann ich die Erinnerung bewahren?

Speaker B

Die Verbindung halten und ohne in der Vergangenheit stecken zu bleiben?

Speaker A

Da gibt es diesen schönen Erinnern heißt nicht festhalten und loslassen heißt nicht vergessen.

Speaker B

Genau den meine ich.

Speaker B

Und da können kleine Rituale helfen, diesen Faden zur gemeinsamen Geschichte sanft weiterzuspinnen.

Speaker A

Was könnte das sein?

Speaker A

Vielleicht ein täglicher Gruß im Stillen?

Speaker B

Ja, zum Beispiel.

Speaker B

Oder ein kleiner Erinnerungsort in der Wohnung, Ein Foto, eine Kerze, ein Stein, der.

Speaker A

Einem wichtig war die Idee mit dem Erinnerungsbuch, finde ich auch schön.

Speaker A

Sätze aufschreiben, die gesagt wurden, Gerüche, an die man sich erinnert, Lieder oder was.

Speaker B

Ganz ein Lieblingsrezept von früher kochen.

Speaker B

Einen Weg gehen, den man oft zusammengegangen ist, aber jetzt bewusst allein und wahrnehmen, was heute da ist.

Speaker A

Es geht darum, eine neue Art von Nähe zu finden, die auch über den Tod hinausgeht.

Speaker B

Ja, eine Nähe, die man in sich trägt.

Speaker B

Und dabei können ja auch andere Menschen helfen.

Speaker B

Das soziale Netz.

Speaker B

Oft sind es die kleinen Gesten, ein Blick der Ich sehe dich, eine Hand auf dem Arm.

Speaker B

Einfach das Wissen, da ist jemand.

Speaker A

Familie, gute Freunde, vielleicht auch Nachbarn.

Speaker B

Ja, deren Rolle ist unglaublich wertvoll.

Speaker B

Es geht ja nicht darum, dass man sich sofort wieder ins volle Leben stürzen muss.

Speaker A

Nein, aber vielleicht ab und zu mal eine Tür einen Spalt breit öffnen, auch wenn der Rückzug sich erstmal sicherer anfühlt.

Speaker A

Ein kleiner Schritt.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Und es gibt ja auch ganz unterschiedliche Hilfsangebote, Gesprächsgruppen, wo man auf Menschen trifft.

Speaker A

Die Ähnliches erleben oder kreative Sachen malen, Musik machen.

Speaker A

Manche finden auch Trost in der Gartenarbeit.

Speaker B

Wichtig ist, es ist kein Muss.

Speaker B

Man darf und soll das wählen, was sich für einen selbst stimmig anfühlt.

Speaker A

Bei all den emotionalen Dingen gibt es ja aber auch die ganz nüchternen, praktischen Fragen, die auf einen zukommen.

Speaker A

Das darf man ja nicht ausblenden.

Speaker B

Nein, auf keinen Fall.

Speaker B

Die Miete muss weiterbezahlt werden, Rechnungen kommen, Verträge müssen vielleicht geändert werden.

Speaker B

Was ist mit Ersparnissen?

Speaker B

Das alles inmitten der Trauer zu regeln, ist eine riesige Herausforderung.

Speaker A

Und dann kommt ja oft noch die finanzielle Seite dazu.

Speaker A

Gibt es einen Anspruch auf Witwen oder Witwerrente zum Beispiel?

Speaker B

Genau.

Speaker B

Das hängt ja von verschiedenen Dingen ab, wie lange man verheiratet war, die Versicherungszeiten und so weiter.

Speaker B

Es gibt ja die kleine und die große Witwen oder Witwerrente.

Speaker A

Ja, die Details sind da individuell.

Speaker A

Da sollte man sich auf jeden Fall beraten lassen.

Speaker B

Unbedingt.

Speaker B

Bei der Deutschen Rentenversicherung zum Beispiel kann man sich informieren.

Speaker B

Und die wichtigste Empfehlung ist da alles Schritt für Schritt angehen, Nicht alles auf.

Speaker A

Einmal wollen und sich Hilfe holen, auch bei der Organisation dieser Dinge.

Speaker A

Das entlastet ja auch emotional ungemein.

Speaker B

Ja, absolut.

Speaker B

Sich da Unterstützung zu suchen, ist klug.

Speaker A

Was ich einen sehr schönen Gedanken fand, der in einem Text Die Liebe verschwindet nicht einfach.

Speaker A

Sie verändert nur ihre Form.

Speaker B

Oh ja, das ist ein tröstlicher Gedanke.

Speaker B

Sie lebt irgendwie weiter in der eigenen Art zu sprechen.

Speaker B

Vielleicht in Gesten, die man übernommen hat, ohne es zu merken.

Speaker A

Oder in Sprichwörtern, die der Partner immer gesagt hat und die einem jetzt selbst rausrutschen.

Speaker B

Genau dieses gemeinsame Erbe, das trägt man.

Speaker A

In sich und damit verbunden vielleicht auch die Chance, neue Seiten an sich selbst zu entdecken.

Speaker A

Fähigkeiten, die vorher im Schatten des Wir lagen.

Speaker B

Das kann durchaus sein, dass man Hoppla, das kann ich ja auch.

Speaker B

Allein, dass man einen neuen eigenen Rhythmus findet.

Speaker A

Das heißt ja nicht, dass die schweren Tage weg sind, aber dass neben der Trauer vielleicht auch wieder Momente der Weichtigkeit oder Freude entstehen können.

Speaker B

Das Weiterleben löscht die Vergangenheit ja nicht aus.

Speaker B

Es gibt hier einen Platz, von dem aus die Gegenwart wieder wachsen kann.

Speaker A

Aber dieses Alleinsein, das ist schon eine Herausforderung.

Speaker A

Das kann ja auch richtig wehtun.

Speaker B

Sicher.

Speaker B

Aber es kann auch, wie soll ich sagen, ein Raum werden, in dem man sich selbst neu begegnet.

Speaker B

Vielleicht findet man sogar ein neues Verhältnis zur Stille.

Speaker A

Was kann da helfen?

Speaker A

Kleine Routinen vielleicht.

Speaker B

Ja, Rituale, die im Heute verankern.

Speaker B

Jeden Morgen bewusst das Fenster öffnen, ein kurzer Gang nach draußen, einfach nur atmen.

Speaker A

Und der Austausch mit anderen, die das auch kennen.

Speaker A

Das wurde ja immer wieder betont, dieses.

Speaker B

Gefühl, ich verstehe, ohne dass man viele Worte machen muss.

Speaker B

Manchmal ist ja auch gemeinsames Schweigen sehr heilsam.

Speaker B

Trauergruppen können da ein guter Ort sein.

Speaker A

Der Grundtonus ist Es ist ein Weg, keine Prüfung, die man bestehen muss.

Speaker B

Ein Weg, der Schritt für Schritt gegangen wird, begleitet von dem, was war und vielleicht offen für das, was noch kommen darf.

Speaker A

Gibt es denn so kleine Lichtblicke oder Ressourcen, die auf diesem Weg helfen können?

Speaker B

Ja, die gibt es.

Speaker B

Man kann sie als Wegzeichen sehen, die man nutzen kann, aber nicht muss.

Speaker B

Zum Beispiel feste Zeiten für die Erinnerung einplanen, aber auch ganz bewusst Pausen davon.

Speaker A

Machen oder einfach mal tief durchatmen.

Speaker A

Sich an eine Schwelle stellen und bewusst wahrnehmen.

Speaker B

Bewegung tut oft gut, auch wenn es nur kleine Schritte sind, um aus der Starre rauszukommen.

Speaker A

Verbindung suchen auf die Art, die gerade eine Karte schreiben, wenn Reden zu schwer fällt.

Speaker A

Eine vertraute Stimme am Telefon hören und.

Speaker B

Auch das Gestalten kann.

Speaker B

Fotos sortieren, vielleicht eine Erinnerungskiste anlegen, bewusst Musik hören, die einen verbindet oder tröstet.

Speaker A

Das sind keine Patentrezepte das ist klar, eher Anregungen zum Ausprobieren.

Speaker A

Man darf wenden, anhalten, weitergehen.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Und dann ist da noch die Frage nach der Zeit.

Speaker B

Heilt sie wirklich alle Wunden?

Speaker A

Wahrscheinlich nicht, Sie macht ja nichts ungeschehen, aber sie kann die scharfen Kanten etwas runden oder Raum schaffen zum Atmen.

Speaker B

Ja, das denke ich auch.

Speaker B

Und vielleicht merkt man irgendwann, dass neben dem Schmerz auch wieder Platz ist für Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, dass beides.

Speaker A

Nebeneinander existieren darf, der Verlust und eine neue, vielleicht leisere Zuneigung zum Leben.

Speaker B

Und das ist kein Ziel, das man erreichen muss.

Speaker B

Es ist eher etwas, das sich manchmal ganz unerwartet ein Möglichwerden, wenn wir das.

Speaker A

Jetzt so Revue passieren lassen.

Speaker A

Es ist ein zutiefst persönlicher Weg, aber vielleicht einer, auf dem die Liebe doch irgendwie weiterwirkt als Wärme, als Richtung, als stiller Begleiter.

Speaker B

Ja.

Speaker B

Und die wichtigste Erlaubnis, die man sich geben kann, ist wohl zu fühlen, was da ist, ohne Bewertung und darauf zu.

Speaker A

Vertrauen, dass das Leben auch um die Trauer herum wieder wachsen kann.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Nicht die Trauer wird unbedingt kleiner, aber das Leben drumherum kann wieder größer werden.

Speaker B

Das ist ein schönes Bild, finde ich.

Speaker A

Vielleicht noch ein Gedanke zum Mitnehmen für dich, der uns beim Nachdenken Welche kleine Geste der Freundlichkeit könntest du dir heute selbst schenken, gerade jetzt in diesem Moment?