Ich habe in letzter Zeit viel darüber nachgedacht.
Speaker AKann aus so einem Ende, aus diesem, ja, diesem absoluten Stillstand, wenn ein Leben aufhört, kann da wirklich etwas Neues wachsen?
Speaker BDas ist eine Frage, die geht wirklich tief und sie berührt ja so viel Persönliches, den eigenen Körper, die eigenen Werte, das Vertrauen in die Medizin und auch die Frage, wie man eigentlich in Erinnerung bleiben möchte.
Speaker AGenau.
Speaker AUnd ich dachte, wir sprechen heute einfach mal darüber, über die Organspende nach dem Tod als eine Möglichkeit, vielleicht über das eigene Leben hinaus noch zu wirken.
Speaker AJa, es soll einfach darum gehen, die verschiedenen Facetten mal zu beleuchten, also die emotionale Seite, die medizinischen Fakten und vor allem, wie du für dich eine stimmige, eine selbstbestimmte Entscheidung finden kannst.
Speaker AOhne Druck, ganz ohne Druck, keine Anweisung, nur Gedanken und Informationen.
Speaker BIch finde, das ist ein guter Ansatz.
Speaker BVielleicht fangen wir einfach mal bei der menschlichen Seite an, also bei den Menschen, die warten und bei den Familien, die ja einen unfassbaren Verlust erlitten haben.
Speaker AJa, das ist, glaube ich, der Kern von allem.
Speaker AEs gibt diese eine, die der Wartenden, für die ist eine Transplantation oft die wirklich allerletzte Chance, die einzige Hoffnung auf Heilung.
Speaker AIch kann mir kaum vorstellen, wie sich das anfühlen muss.
Speaker BJeder Anruf, jeder Tag, ein ständiges Zittern und Hoffen.
Speaker ATotal.
Speaker AUnd hinter jeder dieser Geschichten steckt ja so lange Krankenhausaufenthalte, die Angst der Familien, aber eben auch diese riesige Zuversicht.
Speaker BUnd dann gibt es die andere Seite, die der Angehörigen des Spenders.
Speaker BUnd deren Gefühlswelt ist ja unglaublich komplex.
Speaker AAbsolut.
Speaker BSie erleben ja gerade die tiefste Trauer, den Verlust eines geliebten Menschen.
Speaker BUnd gleichzeitig kann da dieses Wissen sein, dass durch die Entscheidung des Verstorbenen jetzt andere weiterleben dürfen.
Speaker ADas kann tröstlich, fein, es kann sehr.
Speaker BTröstlich sein, aber und das ist so, es muss nicht Für manche ist dieser Gedanke in dem Moment vielleicht einfach zu schwer.
Speaker BUnd beides darf sein.
Speaker BBeides ist absolut legitim.
Speaker BEine Organspende ist eine Möglichkeit, eine ein Angebot, aber eben niemals eine Pflicht.
Speaker AOK, lass uns das mal entwirren.
Speaker AWas passiert da eigentlich genau in so einem Moment?
Speaker AIch glaube, viele Menschen haben da Unsicherheiten.
Speaker BOder auch Ängste, verständlicherweise.
Speaker ADie zentrale Voraussetzung für eine Organspende ist ja der Hirntod, ein Begriff, den man zwar kennt, aber was bedeutet das denn konkret?
Speaker BDas ist der entscheidende Punkt und auch der, der am Schwierigsten zu begreifen ist.
Speaker BMedizinisch und auch rechtlich bedeutet der Hirntod den Unwiederbr also den kompletten Ausfall aller.
Speaker AHirnfunktionen, also Großhirn, Kleinhirn, Hirnstamm, alles.
Speaker BDer Mensch kann nicht mehr fühlen, nicht mehr denken, nichts mehr wahrnehmen.
Speaker BEr ist in diesem Moment tot.
Speaker BDer Kreislauf wird dann nur noch künstlich durch Maschinen aufrechterhalten.
Speaker AWarum?
Speaker BUm die Organe zu schützen und mit Sauerstoff zu versorgen, falls eine Spende in Frage kommt und gewollt ist.
Speaker AUnd wie sicher ist diese Diagnose?
Speaker ADas ist ja eine der größten Sorgen.
Speaker BDiese Diagnose unterliegt extrem strengen Regeln.
Speaker BSie muss immer von zwei erfahrenen Fachärzten gestellt werden.
Speaker AZwei.
Speaker BOK und ganz Die beiden müssen völlig unabhängig voneinander sein und dürfen nichts mit dem Transplantationsteam zu tun haben.
Speaker AVerstehe.
Speaker BSie führen dann in mehreren Schritten ganz bestimmte Tests durch.
Speaker BUnd erst wenn beide wirklich beide zum exakt selben, zweifelsfreien Ergebnis kommen, erst dann ist der Hirntod offiziell festgestellt.
Speaker BVorher darf über das Thema Organspende nicht mal gesprochen werden.
Speaker ADas ist eine enorme Hürde.
Speaker AAber ich kann mir vorstellen, für Angehörige ist das trotzdem so schwer zu begreifen.
Speaker BAbsolut.
Speaker ADer Körper ist ja noch warm, der Brustkorb hebt sich durch die Beatmung.
Speaker AEr sieht ja noch lebendig aus.
Speaker BGenau diese Diskrepanz zwischen dem, was man sieht, und der medizinischen Realität ist eine riesige psychische Belastung.
Speaker BDeshalb bieten die Kliniken ja auch begleitende Gespräche an, um diesen schweren Moment irgendwie tragbarer zu machen.
Speaker AUnd es ist ja auch nicht jeder Verstorbene.
Speaker ADer Hirntot ist automatisch ein möglicher Spender, oder?
Speaker BNein, überhaupt nicht.
Speaker BDer Tod muss im Krankenhaus auf einer Intensivstation eintreten.
Speaker BDas ist die Grundvoraussetzung.
Speaker AOK.
Speaker BUnd dann gibt es bestimmte Erkrankungen, zum Beispiel aktive Krebserkrankungen oder schwere Infektionen, die eine Spende ausschließen können.
Speaker BEs ist also immer eine medizinische Einzelfallentscheidung.
Speaker AVerstehe.
Speaker AEin Punkt, der ja auch immer wieder die Angst vor Organhandel Ja, eine ganz.
Speaker BWichtige Sorge Hier muss man ganz klar Der Handel mit Organen ist in Deutschland strikt verboten und strafbar.
Speaker AUnd die Zuteilung, wer bekommt ein Organ?
Speaker BDie erfolgt nach ganz transparenten medizinischen Regeln.
Speaker BDa geht es vor allem um die Dringlichkeit und die Erfolgsaussicht.
Speaker AOkay.
Speaker AAber die allerwichtigste Voraussetzung für alles ist ja der eigene, klar geäußerte Wille.
Speaker ARichtig.
Speaker AHier geht es ja um die Selbstbestimmung.
Speaker BGenau.
Speaker BUnd das ist vielleicht der wichtigste Punkt überhaupt.
Speaker BWenn du zu Lebzeiten für dich eine Entscheidung triffst, dann entlastest du nicht nur dich selbst, sondern vor allem deine Familie.
Speaker AWie kann man das denn festhalten?
Speaker BDer einfachste Weg ist nach wie vor der Organspendeausweis.
Speaker BDen kriegst du kostenlos in Apotheken, bei Ärzten oder kannst ihn online herunterladen.
Speaker AUnd da kann ich dann ankreuzen, was ich möchte.
Speaker BGanz genau.
Speaker BDu kannst Ja sagen.
Speaker BDu kannst die Spende auf bestimmte Organe einschränken oder du kannst auch ganz bewusst und ausdrücklich Nein sagen.
Speaker AEin Nein ist also auch eine wichtige.
Speaker BEntscheidung, eine ebenso gültige und wichtige Entscheidung.
Speaker BEs geht um Klarheit.
Speaker AWas ist mit diesem neuen digitalen Register?
Speaker BEs wird gerade aufgebaut und ist eine super Ergänzung der Vorteile.
Speaker BDeine Entscheidung ist sicher hinterlegt und für die Ärzte im Krankenhaus auffindbar.
Speaker BAuch wenn du den Ausweis mal nicht dabei hast.
Speaker BDas klingt praktisch, ist es auch.
Speaker BMan kann seine Entscheidung da auch jederzeit wieder ändern und man kann das Ganze auch in einer Patientenverfügung zusätzlich festhalten, um einfach ein stimmiges Bild der eigenen Wünsche zu schaffen.
Speaker AUnd was passiert, wenn all das fehlt?
Speaker AKein Ausweis, kein Eintrag im Register, nichts.
Speaker BDann tritt der Fall ein, der für Angehörige der allerschwerste ist.
Speaker BDann müssen nämlich die nächsten Angehörigen entscheiden und zwar nach dem, was sie glauben, was dein mutmaßlicher Wille gewesen wäre.
Speaker ADas ist das ist ja eine unvorstellbare Last.
Speaker BAbsolut.
Speaker BStell dir vor, du bist in diesem Zustand von Schock und Trauer.
Speaker BUnd dann wirst du gefragt, was hätte ihre Frau, ihr Vater, ihre Tochter denn gewollt?
Speaker BDu musst raten.
Speaker AMan zwingt die Menschen, die einem am nächsten stehen, eine Entscheidung zu treffen, die man selbst immer aufgeschoben hat.
Speaker BGenau das ist es.
Speaker BUnd deshalb ist der wichtigste Appell eigentlich über alle medizinischen und rechtlichen Fragen hinaus.
Speaker BTriff eine Entscheidung und fast noch sprich.
Speaker ADarüber mit der Familie, mit Freunden.
Speaker BJa, ein offenes Gespräch, Ganz egal, wie deine Entscheidung am Ende aussieht, ist die größte Entlastung, die du deinen Liebsten mitgeben kannst.
Speaker BSie müssen dann nicht raten.
Speaker BSie können sicher sein, dass sie in deinem Sinne handeln.
Speaker BDas gibt ihnen in all dem Schmerz eine Form von Sicherheit zurück.
Speaker ALass uns noch auf einen Punkt kommen, der viele Menschen umtreibt.
Speaker ADie Sorge um den Körper, um die würde die Angst davor, dass der Körper entstellt wird und man sich nicht mehr.
Speaker BRichtig verabschieden kann, eine total verständliche und berechtigte Sorge.
Speaker BUnd die wird im gesamten Prozess auch sehr, sehr ernst genommen.
Speaker BDie Organentnahme ist ein chirurgischer Eingriff, also eine Operation, genau wie eine reguläre Operation in einem Operationssaal.
Speaker BDie Chirurgen gehen mit dem Körper des Spenders mit allergrößtem Respekt um und danach, danach wird die Operationswunde sorgfältig verschlossen.
Speaker BDer Körper wird versorgt und man kann sich ganz normal von ihm verabschieden.
Speaker BEine Aufbahrung auch am offenen Sarg ist uneingeschränkt möglich.
Speaker AMan sieht also nichts, was verstörend wäre.
Speaker BMan sieht eine Operationsnarbe, die versorgt ist, aber der Körper ist nicht entstellt.
Speaker BDer würdige Abschied ist absolut gewährleistet.
Speaker ADas ist ein wichtiger Punkt.
Speaker AEs gibt ja so unterschiedliche Empfindungen.
Speaker AFür die einen ist der Gedanke vielleicht tröstlich, dass der Körper noch einmal geholfen hat und für die anderen steht der Wunsch nach Unversehrtheit im Vordergrund.
Speaker AUnd beides ist ja OK.
Speaker BAbsolut.
Speaker BBeides muss respektiert werden.
Speaker BEs gibt hier kein richtig oder falsch.
Speaker AWenn man das alles so zusammennimmt, die medizinischen Details, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die emotionalen Seiten auf beiden Seiten, dann wird einem klar, warum das so ein schwieriges Thema ist.
Speaker BTotal.
Speaker BUnd es ist auch mehr als verständlich, wenn man da zögert oder Zweifel hat.
Speaker BJa, sich damit zu beschäftigen, bedeutet ja auch, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen.
Speaker BUnd das ist nicht einfach, aber es ist eben auch ein Akt der Selbstbestimmung.
Speaker BDu nimmst das Heft des Handelns in die Hand.
Speaker ADas heißt für dich, der du jetzt zuhörst, es ist völlig okay, sich dem Thema langsam und ohne jeden Druck zu nähern.
Speaker BGenau.
Speaker AVielleicht liest du einfach noch mal in Ruhe etwas dazu oder schaust dir die Seite zum neuen Register an oder du sprichst einfach mal mit einer Person, der du vertraust, darüber ganz offen, um die eigenen Werte abzuwägen.
Speaker BGenau.
Speaker AUnd am Ende ist die Klarheit, die du für dich findest, das eigentliche Ziel.
Speaker AOb diese Klarheit dann ein Ja ist, ein Nein oder ein Ja, aber nur für bestimmte Organe, das ist fast schon zweitrangig.
Speaker BHauptsache, es gibt Klarheit.
Speaker BJede dokumentierte Entscheidung ist wertvoll.
Speaker BSie ist ein Geschenk, ein Geschenk der Klarheit für dich, für die Ärzte und vor allem für die Menschen, die dich.
Speaker ALieben das ein schöner Gedanke, die Klarheit als Geschenk.
Speaker BVielleicht ist das der Gedanke, der am Ende bleibt.
Speaker BEs geht im Kern um die Spuren, die ein Leben hinterlässt in den Erinnerungen von Menschen.
Speaker BKlar, aber eben vielleicht auch ganz konkret, ganz physisch, in einem weiterschlagenden Herzen, in einem Atemzug, der ohne eine Entscheidung, die irgendwann einmal getroffen wurde, nicht mehr möglich gewesen wäre.
Speaker BUnd ich glaube, diesen Gedanken, den kann man für heute einfach mal wirken lassen.