Hallo.
Speaker ASchön, dass wir heute die Zeit finden, uns über dieses doch sehr eindringliche Thema auszutauschen.
Speaker BHallo.
Speaker BJa, das finde ich auch gut.
Speaker BEs ist wichtig, darüber zu sprechen.
Speaker AEs gibt ja diesen einen Moment oder vielleicht nur ein Anruf und auf einmal steht alles still.
Speaker AWie fühlt sich das an, wenn der Boden unter den Füßen einfach wegbricht, So ganz ohne Vorwarnung.
Speaker BHm, genau dieses Gefühl, dieser plötzliche Stillstand, das zieht sich ja auch durch die Gedanken und Berichte, die wir uns angesehen haben.
Speaker AJa, genau.
Speaker ALass uns heute mal versuchen, ein bisschen zu verstehen, wie sich dieser erste Schock anfühlen kann, wie man vielleicht Worte findet oder es auch aushält, wenn sie fehlen.
Speaker BUnd auch über diese kleinen Rituale sprechen, die vielleicht Halt geben können, über Unterstützung, wie die aussehen kann und wie man versucht, mit diesen vielen Fragen und dem Schmerz umzugehen, so Schritt für Schritt eben.
Speaker AVielleicht fangen wir wirklich bei diesem allerersten Moment an, diesem Gefühl, wenn die Welt einfach anhält.
Speaker BJa, dieser Schock, das wird ja oft als was sehr Körperliches beschrieben.
Speaker AStimmt, da war die Rede von einem zugeschnürten Hals oder diesem Tunnelblick.
Speaker ADie Zeit, die gleichzeitig rast und stillsteht.
Speaker ADas scheint ja wirklich was Universelles zu sein in so einer Situation.
Speaker BAbsolut.
Speaker BDas ist ja auch eine, wie soll ich sagen, eine akute Stressreaktion des Körpers, so Notfallmodus quasi.
Speaker BUnd interessant fand ich, dass viele sagen, diese gut gemeinten Sprüche wie Das ist Schicksal oder Alles hat einen Sinn, die helfen in dem Moment gar nicht.
Speaker ANein, die können sogar richtig wehtun, oder?
Speaker AWeil sie so gar nicht zu diesem rohen Gefühl passen.
Speaker BGenau, sie passen nicht.
Speaker ADa war dieser Begriff in einem Text radikale Erlaubnis, also die Erlaubnis, in diesem Moment absolut nichts zu müssen.
Speaker ANicht funktionieren, nicht stark sein, nicht mal verstehen.
Speaker BJa, einfach nur sein, Das passt zu dieser nur atmen, Fenster auf, so ganz basale Dinge als Anker.
Speaker BJa, genau.
Speaker BDiese Haltegriffe, wie es irgendwo hieß, eine Decke, frische Luft, vielleicht einfach jemand, der da ist, ganz ruhig und nichts erwartet.
Speaker BDieser Druck muss raus.
Speaker BDas ist ganz wichtig.
Speaker BEs ist völlig okay, wenn der Horizont erstmal nur bis zum nächsten Atemzug reicht.
Speaker BDas ist kein Versagen.
Speaker ANein, eher ein Schutz oder ein Schutzmechanismus.
Speaker AJa, was auch immer wieder kam, war diese Sache mit der Wiederholung.
Speaker ADas Geschehene immer wieder aussprechen oder denken, nicht um darin zu baden, sondern Ja, wie stand es da, damit das Gehirn die Ungeheuerlichkeit verarbeiten kann?
Speaker BGenau, das ist wohl so ein erster Schritt, das kognitiv zu integrieren.
Speaker BWorte finden, damit der Verstand nachkommen kann.
Speaker BLangsam die neue Realität anerkennen.
Speaker BUnd da fängt ja oft die nächste Schwierigkeit an, die Worte zu finden oder eben auszuhalten, wenn man keine hat.
Speaker BJa, diese Gratwanderung.
Speaker BEinerseits will man nicht verharmlosen, andererseits zerfleischt man sich vielleicht selbst mit Worten.
Speaker AManchmal ist ja auch gemeinsames Schweigen besser als krampfhafte Gespräche, stand da irgendwo.
Speaker ADas stimmt.
Speaker AUnd als Alternative zum Schreiben, auch wenn es nur Notizen sind, Stichworte, Erinnerungsfetzen.
Speaker AJa, das kann helfen oder so.
Speaker AAls externes Gedächtnis vielleicht oder als Ventil.
Speaker BGenau.
Speaker BUnd dann war da noch die Idee, dem Unsichtbaren, dieser Leere, was Sichtbares, Greifbares entgegenzusetzen.
Speaker AAh, du meinst diese konkreten Details als Inseln, die Kaffeetasse, ein Geruch, das Lachen.
Speaker BGenau.
Speaker BDie diese kleinen sinnlichen Erinnerungen können einen erden, habe ich das Gefühl.
Speaker BDie machen das Abstrakte des Verlusts für Momente wieder greifbar.
Speaker ASie verbinden einen wieder mit dem gelebten Leben, oder?
Speaker BJa, ohne den Schmerz wegzumachen, aber sie geben vielleicht einen Moment Trost.
Speaker BUnd von diesen inneren Ankern ist es ja nicht weit zu den äußeren Ritualen, Die wurden ja auch oft als hilfreich beschrieben.
Speaker AStimmt.
Speaker AUnd die müssen gar nicht groß sein.
Speaker AEine Kerze anzünden, ein Lied hören, ein Spaziergang zur gleichen Zeit.
Speaker BJa, so kleine alltägliche Gesten, die geben Struktur, wenn sonst alles verschwimmt.
Speaker BBewusste Momente der Verbindung schaffen.
Speaker AEs gab da auch dieses Konzept der Trauerinseln, fand ich ganz interessant.
Speaker ASich bewusst kurze Zeiten nehmen für die Trauer, vielleicht zehn Minuten morgens oder abends und danach lenkt man sich sanft wieder ab.
Speaker AAlso der Trauer einen festen Platz geben, damit sie nicht alles überschwemmt.
Speaker ASozusagen ein anerkennendes Ich seh dich, du darfst da sein, aber jetzt mache ich erstmal weiter.
Speaker AMan legt die Trauer quasi kurz an einem sicheren Ort ab, um nicht ständig überwältigt zu sein.
Speaker BJa, das ist eine Form der Selbstregulation, um handlungsfähig zu bleiben.
Speaker BUnd Handlungsfähigkeit, die hängt ja oft auch von Unterstützung ab.
Speaker BDas war ja auch ein großes Thema.
Speaker AUnd wie schwer es vielen fällt, um Hilfe zu bitten.
Speaker BTotal.
Speaker BMan will ja niemanden zur Last fallen oder weiß selbst nicht, was man braucht oder hat einfach keine Kraft.
Speaker BDa war dieser Bitten ganz klein und konkret formulieren nicht ich brauche Hilfe, kannst du heute Abend für mich kochen?
Speaker BGenau.
Speaker BOder begleitest du mich zum Amt.
Speaker BDas macht es dem Umfeld leichter, wirklich zu helfen.
Speaker BUnd was ja auch immer wieder oft ist, nicht der gute Rat das Beste, sondern einfach nur die Präsenz dieser Ich bin da ohne Erwartungen.
Speaker BDas kann unglaublich viel Kraft geben.
Speaker BEinfach das Gefühl, nicht allein zu sein, aber gleichzeitig auch die Erlaubnis, Grenzen zu setzen, das Recht zu Danke, aber ich möchte jetzt nicht reden unbedingt.
Speaker BOder bitte keine Ratschläge, nur zuhören.
Speaker BUnterstützung muss ja immer das Tempo des Trauernden Respekt.
Speaker BUnd wenn das eigene Netz vielleicht überfordert ist oder nicht reicht, was ja keine Schande ist, dann gibt es ja auch externe Stellen.
Speaker AStimmt, da hattest du ja diese Liste.
Speaker ATelefonseelsorge der DHPV oder auch Vereine wie der Faid für verwaiste Eltern und Geschwister.
Speaker BGenau.
Speaker BOder auch Online Trauermetz oder der Krisenchat für junge Leute.
Speaker AEs ist gut, das zu wissen, dass man das nicht allein schaffen muss.
Speaker AHilfe anzunehmen ist ja kein Zeichen von Schwäche.
Speaker BNein, absolut nicht.
Speaker BUnd Hilfe kann ja auch ganz klein sein.
Speaker BDie erwähnte Mahlzeit, eine stille Begleitung, jemand, der das Schweigen mit aushält.
Speaker BWas auch noch wichtig sein kann, ist die Gestaltung des Abschieds selbst, soweit das eben geht.
Speaker AAktiv mitmachen, ein Lied aussuchen, einen Text, Fotos.
Speaker BJa, das kann helfen, diesem Gefühl der Ohnmacht was entgegenzusetzen, dem Abschied eine persönliche.
Speaker ANote geben und danach wie hält man die Erinnerung lebendig, ohne dass es nur noch wehtut?
Speaker AWie kann das gehen?
Speaker BDie Erinnerung sollte idealerweise ein dynamischer Ort sein, der sich verändern darf.
Speaker BMal schwer, mal tröstlich, mal bringt sie einen zum Lächeln.
Speaker AAlso kein starres Museum.
Speaker BGenau, eher ein Band knöpfen, das hält aber nicht fesselt.
Speaker BRituale können da auch wieder ein Baum, den man pflanzt, das Fotobuch, das man zur Hand nimmt oder gemeinsame Erzählabende.
Speaker ADas klingt aber alles nach einem Prozess, der ja der unheimlich viel Kraft kostet.
Speaker BWas uns zur Selbstfürsorge bringt.
Speaker BDas stand ja fast überall drin.
Speaker AJa, ganz wichtig.
Speaker ATrauer ist ja nicht nur im Kopf.
Speaker ADer Körper trauert mit Müdigkeit, Erschöpfung.
Speaker ADeshalb sind diese basalen Dinge so trinken versuchen Kleinigkeiten zu essen, Schlaf so gut es geht, auch Bewegung oder ein Spaziergang, um aus dem Gedankenkarussell rauszukommen.
Speaker BJa, moderate Bewegung kann helfen, den Körper wieder zu spüren.
Speaker AUnd Routinen, ah ja, diese kleinen Alltagsroutinen, Bettmachen, Post öffnen als Stege über den Fluss der Trauer, die geben Struktur, ein kleines Gefühl von Kontrolle vielleicht.
Speaker AAber, und das ist genauso wichtig, es gibt Tage, an denen geht einfach nichts.
Speaker AUnd das ist OK, die Erlaubnis, dass es auch mal nicht geht.
Speaker BGenau.
Speaker BHeilung ist kein Wettlauf.
Speaker BWie stand es in einem Bericht?
Speaker BDie Zeit heilt nicht alle Wunden, aber sie lehrt uns, mit dem Unbegreiflichen zu leben und das braucht eben Geduld.
Speaker AEin ganz quälendes Thema sind ja oft diese Sinn und Schuldfragen.
Speaker ADas Warum, das hätte ich doch nur.
Speaker BDie gehören oft dazu.
Speaker BJa, es kann helfen, sie aufzuschreiben, um sie greifbarer zu machen.
Speaker BAber es ist auch wichtig, sie bewusst mal parken zu können, wenn sie zu.
Speaker AZermürbend werden oder wenn es einfach keine Antworten gibt.
Speaker AEben.
Speaker AUnd dann zu unterscheiden, was war wirklich Verantwortung und was war einfach Ohnmacht und dieses Selbstmitgefühl, sich selbst so behandeln wie.
Speaker BEinen guten Freund, das ist wahrscheinlich leichter gesagt als getan.
Speaker AAbsolut.
Speaker ADas ist eine Übung immer wieder.
Speaker AUnd auch hier Hilfe suchen ist OK, um diese Wucht der Fragen nicht allein tragen zu müssen.
Speaker AGespräche, Gruppen, Beratung.
Speaker BUnd irgendwann fängt die Außenwelt ja wieder an, sich schneller zu drehen.
Speaker BTermine, Alltag.
Speaker BWie geht man damit um, wenn man innerlich noch im Zeitlupentempo ist, indem man.
Speaker ASich erlaubt, langsamer zu sein.
Speaker AGrenzen setzen, wieder dieses Thema Pausen planen, Nein sagen lernen, den eigenen Rhythmus verteidigen.
Speaker BDas ist ja kein Verrat am Verstorbenen, dieses Weiterleben.
Speaker BEs ist eher ein Weiterleben mit dem Verlust.
Speaker BAber heute ist ein OK Tag.
Speaker BJa, das schützt einen vielleicht ein bisschen, signalisiert die Lage, ohne zu viel preiszugeben.
Speaker BEs geht um kleine bewusste Schritte.
Speaker AWenn wir das jetzt mal so versuchen zusammenzufassen, was wirklich helfen kann, dann sind es oft diese scheinbar kleinen Dinge, oder?
Speaker BJa, das bewusste Atmen, um anzukommen, Benennen, was ist ohne Wertung.
Speaker ADie Mini Rituale für die Struktur, Konkrete.
Speaker BBitten um Hilfe, sich diese Trauerinseln schaffen und sie auch wieder verlassen.
Speaker AAuf den Körper achten, die Basisbedürfnisse, die.
Speaker BErinnerung aktiv gestalten, lebendig halten, quälende Fragen.
Speaker AAuch mal bewusst parken dürfen, Hilfe als Ressource sehen, dass Unterstützung anzunehmen.
Speaker AStärke ist keine Schwäche.
Speaker ASich helfen lassen, sich austauschen oder auch mal still weitergehen.
Speaker AEs gibt kein richtig oder falsch.
Speaker ADie Leere, die Fragen vielleicht auch Wut.
Speaker ADas darf alles da sein.
Speaker AEs gibt keinen Fahrplan, keine Deadline.
Speaker AVielleicht ist das Wichtigste was Du musst das nicht perfekt können.
Speaker ADu musst es nicht allein können.
Speaker AManchmal ist es vielleicht genug, einfach nur den nächsten Atemzug zu nehmen und darauf zu vertrauen, dass der nächste Schritt kommt irgendwann.
Speaker AWas nimmst du daraus für dich mit?