Kennst du dieses Gefühl, wenn in der Trauer die Gedanken einfach nur noch rasen und du gar nicht mehr weißt, wo oben und unten ist?
Speaker AWenn irgendwie alles ins Wanken gerät.
Speaker BAbsolut.
Speaker BEin Gefühl totaler Orientierungslosigkeit.
Speaker AGenau.
Speaker AUnd in diesem Zustand, wie kann da Meditation überhaupt eine Hilfe sein?
Speaker AIch meine, ist das nicht nur noch ein weiterer Punkt auf einer To Do Liste, für die man sowieso schon keine Kraft hat?
Speaker BDas ist, glaube ich, die zentrale Frage.
Speaker BEs geht ja heute darum, wie Meditation in Zeiten des Verlust ein stiller Begleiter sein kann.
Speaker AEin stiller Begleiter.
Speaker ADas gefällt mir.
Speaker AJa.
Speaker AUnd ist es wichtig zu Es geht nicht darum, den Schmerz auszulöschen oder jemanden zurückzubringen.
Speaker ADas kann es nicht.
Speaker AEs geht vielmehr darum, inmitten dieses Sturms einen kleinen, sicheren Ort in sich selbst zu finden, einfach nur um mal durchatmen zu können.
Speaker BGenau.
Speaker BWir wollen heute mal schauen, wie man Trauer achtsam wahrnehmen kann, ohne von ihr komplett überrollt zu werden.
Speaker AOK, lass uns vielleicht direkt bei der Skepsis anfangen.
Speaker ADieses Gefühl Meditation klingt nach Anstrengung, nach Leistung, gerade wenn der Alltag schon so unendlich schwer fällt.
Speaker BAbsolut.
Speaker BUnd es ist so wichtig, gleich am Anfang zu Meditation ist kein Schalter, um Gefühle einfach auszuschalten.
Speaker BDas ist, glaube ich, das größte Missverständnis.
Speaker BMan soll also nicht versuchen, seine echten Gefühle zu verraten, nur um irgendwie positiv zu sein.
Speaker ANein, auf keinen Fall.
Speaker ATrauer braucht Raum und Meditation will diesen Raum nicht kleiner machen, sondern ich würde sagen, sie will ihn sicherer machen.
Speaker BSicherer?
Speaker BWie meinst du das?
Speaker AMan muss nichts wegatmen oder positiv denken.
Speaker AAlle Gefühle, die Wut, die Leere, diese ganze Verwirrung, die dürfen und müssen da sein.
Speaker AEs geht darum, die Beziehung zu diesen Gefühlen mit der Zeit zu verändern.
Speaker AOK.
Speaker AMan lernt sie zu beobachten, anstatt sofort von ihnen mitgerissen zu werden.
Speaker AEs gibt da eine schöne Du bist nicht mehr nur die Welle, die dich umwirft.
Speaker ADu wirst langsam auch der stabile Boden unter der Welle.
Speaker ADu bist der Boden unter der Welle.
Speaker ADas ist ein starkes Bild.
Speaker ADas spricht ja auch dieses innere Chaos an oder diese widersprüchlichen Emotionen, die einen so zerreißen können in einem Moment.
Speaker ADie Sehnsucht, dann Schuldgefühle, Wut, dann wieder diese unendliche Liebe.
Speaker ADas kommt ja oft in so schneller Folge.
Speaker AWie hilft Meditation da ganz konkret?
Speaker BIndem sie einen ganz sanft dabei unterstützt, diese Gefühle erstmal nur wahrzunehmen, ohne sie sofort bewerten oder verändern zu müssen.
Speaker AAlso einfach nur spüren.
Speaker BGenau diese Enge in der Brust, diesen Kloß im Hals einfach nur wahrnehmen, ohne ihn sofort wegzudrücken.
Speaker BUnd das Gleiche gilt für die Gedanken.
Speaker AAh, diese Gedanken, die hätte ich doch schleifen.
Speaker BJa, die sind zermürbend.
Speaker BMeditation hilft zu verstehen, dass solche Gedanken eben nur Gedanken sind.
Speaker BSie sind nicht die absolute Wahrheit.
Speaker BSie sind eher wie vorübergehende geistige Ereignisse.
Speaker AAlso wie Wolken am Himmel, die vorbeiziehen.
Speaker BGenau das Bild Du bist der Himmel, nicht die Wolke.
Speaker BUnd das unterbricht dieses ständige Grübeln, das so unglaublich viel Energie kostet.
Speaker AUnd es verankert einen im Hier und Jetzt.
Speaker BExakt durch den Fokus auf den Atem, auf Geräusche oder einfach auf das Gefühl der Füße auf dem Boden.
Speaker BDas schafft so kleine Inseln der Ruhe auch nur für ein paar Sekunden vielleicht.
Speaker ADie Forschung zeigt ja auch, dass schon das Benennen von Gefühlen, also innerlich zu sagen, also da ist Traurigkeit, das Nervensystem beruhigen kann.
Speaker ARichtig.
Speaker BJa, absolut.
Speaker BDas ist faszinierend.
Speaker BDieser simple Akt verlagert die Aktivität im Gehirn vom reinen Emotionszentrum hin zu den bewussteren Arealen.
Speaker BMan unterbricht quasi den Autopiloten der Überwältigung.
Speaker AOkay, das leuchtet ein.
Speaker AAber kommen wir mal zur Praxis.
Speaker AWas ist, wenn Stillsitzen sich einfach nur wie eine Strafe anfühlt?
Speaker AWenn der Körper so voller Unruhe ist, dass man es nicht aushält.
Speaker BEin ganz wichtiger Es muss nicht kompliziert sein oder stundenlanges Stillsitzen bedeuten.
Speaker BZwang ist das Letzte, was man in der Trauer braucht.
Speaker BWenn Stillsitzen unmöglich ist, dann ist körperorientierte Achtsamkeit oft ideal.
Speaker BZum Beispiel achtsames Gehen.
Speaker AAlso einfach nur spazieren gehen.
Speaker BJa, aber mit einer bestimmten Ausrichtung.
Speaker BDu konzentrierst dich ganz auf die Empfindung, das Abrollen deiner Füße, den Wind auf der Haut.
Speaker BJeden Schritt ganz bewusst spüren.
Speaker BSo wird jeder Schritt zu einem kleinen Anker im Jetzt.
Speaker AOder sanfte Dehnungen, habe ich gelesen.
Speaker BGenau.
Speaker BBewusst den Atem in die Anspannung lenken.
Speaker BEs geht darum, wieder im eigenen Körper anzukommen, der sich in der Trauer ja oft so fremd anfühlt.
Speaker AUnd was ist, wenn das Gegenteil der Fall ist, wenn man so erschöpft ist, dass jede Bewegung zu viel ist, aber die Stille, die eigenen Gedanken, sich total bedrohlich anfühlen.
Speaker BDas ist auch sehr häufig.
Speaker ADieses Alleinsein mit dem Schmerz kann ja manchmal kaum auszuhalten sein.
Speaker BFür solche Momente sind geführte Meditationen oft eine riesige Hilfe.
Speaker BDa begleitet dich eine ruhige Stimme.
Speaker ADas gibt Halt, weil man nicht alles allein steuern muss.
Speaker BRichtig.
Speaker BDie Stimme führt dich, erinnert dich sanft an den Atem oder leitet dich an, dir einen sicheren inneren Ort vorzustellen.
Speaker BEine Wiese, ein Strand, egal was.
Speaker BEin Ort, an dem du dich für einen Moment geborgen fühlen darfst.
Speaker AUnd man darf jederzeit abbrechen.
Speaker BImmer.
Speaker BDas ist das Wichtigste.
Speaker BDie Meditation dient dir nicht umgekehrt.
Speaker BDu hast immer die Kontrolle.
Speaker AEs taucht auch immer wieder der Begriff Loving Kindness Meditation auf.
Speaker ADas klingt für manche vielleicht erstmal ein bisschen esoterisch.
Speaker AWorum geht es da?
Speaker BEs ist eigentlich viel weniger esoterisch, als es klingt.
Speaker BIm Kern geht es um Mitgefühl, und zwar an allererster Stelle für sich selbst.
Speaker AWas in der Trauer ja oft so schwerfällt.
Speaker BTotal Wir sind oft unglaublich hart zu uns.
Speaker BWir werfen uns Dinge vor, denken, wir müssten stärker sein, besser funktionieren.
Speaker AJa, und diese Meditation ist ein direktes Gegenmittel.
Speaker AMan wiederholt innerlich ganz einfache, wohlwollende Sätze, so etwas wie Möge ich inmitten dieser Trauer gehalten sein oder möge ich mir selbst mit Freundlichkeit begegnen.
Speaker AMan kultiviert also aktiv eine Haltung der Wärme sich selbst gegenüber.
Speaker BGenau.
Speaker BUnd wenn es sich stimmig anfühlt, kann man diese Wünsche auch an den Verstorbenen richten.
Speaker BDas kann eine sehr, sehr heilsame und liebevolle Verbindung schaffen.
Speaker BOK, wir haben jetzt viele praktische Wege, aber die große Frage bleibt Wie entsteht aus diesen kleinen, vielleicht nur fünfminütigen Übungen so etwas Großes wie innerer Frieden?
Speaker BDas klingt ja fast unerreichbar.
Speaker AIch glaube, der Schlüssel liegt darin, diesen Begriff Frieden in diesem Kontext neu zu definieren.
Speaker BFrieden bedeutet hier nicht die Abwesenheit von Schmerz.
Speaker BDas wäre eine Illusion, das würde den Verlust ja entwerten.
Speaker BSondern Frieden bedeutet, dass der Schmerz dich nicht mehr vollständig kontrolliert, dass du lernst, mit ihm zu leben, ohne dich selbst dabei zu verlieren.
Speaker AUnd das passiert nicht über Nacht.
Speaker BNein, es ist die Summe vieler kleiner Schritte.
Speaker BFünf Minuten am Tag sind oft wirkungsvoller.
Speaker AAls eine Stunde einmal im Monat, weil die Regelmäßigkeit zählt.
Speaker AGenau durch diese Regelmäßigkeit signalisierst du deinem Nervensystem immer und immer Hier ist ein Moment der Ruhe, hier ist es sicher durchzuhaken.
Speaker AUnd mit der Zeit lernt das Gehirn, dass es neben dem Schmerz auch noch diesen Anker der Stille gibt.
Speaker AUnd in diesem Raum, der da ganz langsam entsteht, kann man dann vielleicht auch diesen inneren kritischen Stimmen anders begegnen.
Speaker ADiesen Stimmen, die Reiß dich zusammen.
Speaker BExakt.
Speaker BDas ist der zentrale Punkt.
Speaker BDu lernst diese Gedanken als Gedanken zu erkennen, nicht als die Wahrheit.
Speaker BAnstatt gegen sie anzukämpfen, was hier nur Energie kostet, lernst du ihnen mit Freundlichkeit zu begegnen.
Speaker AWie könnte das aussehen?
Speaker ADu könntest dir innerlich Ich höre dich kritische Stimme, danke für deine Sorge, aber ich tu gerade, was ich kann.
Speaker AOder es ist verständlich, dass ich mich so fühle.
Speaker ADas ist kein Schönreden.
Speaker BNein, es ist eine Form von tiefem inneren Halt.
Speaker BMan wird quasi zur eigenen Quelle der Wärme.
Speaker BUnd das macht den Boden unter den Füßen Schritt für Schritt wieder ein bisschen fester.
Speaker BDas muss ja auch die Beziehung zu einem selbst grundlegend verändern.
Speaker BTrauer wirft ja einen ja oft auf die Frage zurü Wer bin ich eigentlich ohne diesen Menschen?
Speaker AJa, absolut.
Speaker AMan verliert so leicht das Gefühl für die eigenen Bedürfnisse, die eigenen Grenzen.
Speaker BUnd indem du in der Meditation regelmäßig still wirst und in dich hineinhorchst, kommst du dir selbst wieder näher.
Speaker BDu spürst wieder, wann du eine Pause brauchst.
Speaker BDu hörst deine eigene leisere Stimme wieder jenseits des ganzen Lärms.
Speaker ADiese Rückverbindung zu sich selbst.
Speaker ADas ist ja ein entscheidender Teil, um wieder Stabilität zu finden.
Speaker AEs bedeutet nicht, den anderen zu vergessen.
Speaker BNein, überhaupt nicht.
Speaker BEs bedeutet, sich selbst zu erlauben, weiterzuleben, ohne die Liebe zu verleugnen.
Speaker AKann Meditation dann auch ein Raum sein, um die Beziehung zum Verstorbenen neu zu gestalten?
Speaker AIch denke da an diese Angst, die Verbindung zu verlieren, wenn der akute Schmerz vielleicht irgendwann nachlässt.
Speaker BEine sehr, sehr verbreitete und verständliche Angst.
Speaker BUnd ja, Meditation kann auf eine ganz behutsame Weise ein Raum für eine neue Form der Verbindung werden.
Speaker AWie denn?
Speaker BDas hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern mit bewusster Erinnerung.
Speaker BDu könntest dich zum Beispiel hinsetzen und dich bewusst an einen Moment voller Liebe und Wärme mit diesem Menschen erinnern.
Speaker AOK.
Speaker AUnd anstatt die Erinnerung nur im Kopf ablaufen zu lassen, spürst du in deinen Körper hinein, wo fühle ich diese Wärme gerade?
Speaker AVielleicht in der Brust.
Speaker AUnd dann bleibst du einfach einen Moment bei diesem Gefühl.
Speaker ASo wird die Beziehung quasi verinnerlicht.
Speaker BGenau, sie wandelt sich von einer, die auf äußerer Präsenz beruht, zu einer, die von innerer Verbundenheit lebt.
Speaker BDie Liebe bleibt, aber sie wird zu einem Teil von dir, zu einer Ressource, die dir niemand nehmen kann.
Speaker AWenn wir das jetzt alles so zusammenfügen, dann ist Meditation also kein Wundermittel.
Speaker AEs ist kein lautes Versprechen, dass alles wieder gut wird.
Speaker ANein, sondern eher, um das Bild von vorhin noch mal zu nehmen, ein Werkzeug, um den eigenen Anker zu schmieden und zu lernen, ihn im Sturm auszuwerfen.
Speaker AEs ist eine sanfte Einladung, sich selbst inmitten des Schmerzes nahe bleiben.
Speaker BGenau das ist es.
Speaker BEs ist die radikale Akzeptanz des Schmerzes, aber kombiniert mit dem Wissen, dass wir unsere Reaktion auf diesen Schmerz verändern können.
Speaker BInnerer Frieden ist nicht die Abwesenheit von Trauer, sondern die Präsenz von Mitgefühl.
Speaker BMitgefühl für dich, für deine Geschichte, für deinen Weg durch diese Zeit und für den Menschen, den du so sehr vermisst.
Speaker BUnd dieses Mitgefühl, diese Fähigkeit, den Anker zu halten, das kann man üben, Atemzug für Atemzug.
Speaker AUnd wenn du dir heute nur einen einzigen Moment der stillen Aufmerksamkeit schenken würdest, ganz ohne Ziel, ohne Erwartung, es richtig machen zu müssen, was könnte dein Herz oder dein Körper dir in diesem Moment vielleicht ganz leise sagen?