Speaker A

Hallo, schön, dass du da bist und dir diesen Moment nimmst.

Speaker B

Hallo.

Speaker B

Ja, ich freue mich auch.

Speaker B

Weißt du, was mich in letzter Zeit oft beschäftigt?

Speaker B

Was passiert eigentlich mit den ganzen Fragen, die so zurückbleiben, wenn ein Mensch sich entscheidet zu gehen?

Speaker B

Diese Fragen, die schreien ja innerlich ganz leise, aber es gibt einfach keine Antwort mehr.

Speaker B

Wo gehen die hin?

Speaker A

Das ist, glaube ich, genau der Raum, in den wir heute mal zusammen reinschauen wollen.

Speaker A

Es soll ja um diesen Schmerz gehen, um diese ganz besondere Trauer der Hinterbliebenen nach einem Suizid.

Speaker A

Und du hast ja recht, es geht nicht darum, fertige Antworten zu finden.

Speaker A

Die gibt es meistens nicht.

Speaker A

Es geht vielleicht eher darum, diesem Chaos an Gefühlen, das so ein Verlust auslöst, überhaupt mal eine Daseinsberechtigung zu geben.

Speaker B

Genau.

Speaker A

Und zu verstehen, welche Wege es gibt, Unterstützung zu finden.

Speaker A

Es ist halt ein Gespräch über das Weiterleben mit einer Wunde, die ihre ganz eigene Zeit braucht.

Speaker A

Ich glaube, ein guter Ausgangspunkt ist vielleicht die Erkenntnis, dass diese Art von Trauer irgendwie anders ist.

Speaker B

Ja, total.

Speaker A

Man stellt sich Trauer ja oft so als eine, naja, eine tiefe, stille Traurigkeit vor, wie so ein grauer Schleier vielleicht.

Speaker B

Richtig.

Speaker A

Aber was man von Betroffenen hört, das klingt eher wie ein Sturm, das ein.

Speaker B

Sehr, sehr gutes Bild.

Speaker B

Es ist ein Sturm, ein inneres Chaos.

Speaker B

Viele erzählen, dass sie in einem Moment eine unendliche, fast schmerzhafte Liebe für den verstorbenen Menschen spüren und im nächsten Moment überrollt sie eine Welle von Wut oder so eine lähmende Ohnmacht, dieses Gefühl, nichts hätte tun zu können.

Speaker B

Und über allem liegt dann oft diese.

Speaker A

Schwere Decke der Schuld und das alles gleichzeitig.

Speaker B

Ja, das ist das Schwierige.

Speaker B

Es ist nicht nacheinander.

Speaker B

Es ist alles auf einmal, Es zerrt in alle Richtungen und das kann einen völlig aus der Bahn, heißt das.

Speaker A

Also es ist normal, diese widersprüchlichen Dinge auf einmal zu fühlen.

Speaker A

Also Liebe und Wut für dieselbe Person im selben Moment.

Speaker B

Absolut.

Speaker A

Das widerspricht ja allem, was man so über richtiges Trauern zu wissen glaubt.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Aber es ist nicht nur normal, es ist fast schon ein Kennzeichen dieser spezifischen Trauer.

Speaker B

Die Liebe ist ja da, die Beziehung endet ja nicht klar.

Speaker B

Aber die Wut ist eben auch da als Reaktion auf dieses Verlassenwerden, auf die Tat an sich, auf dieses Gefühl, mit all dem Schmerz, allein gelassen zu werden.

Speaker A

Das auszuhalten.

Speaker B

Das auszuhalten ist eine der größten Herausforderungen.

Speaker B

Und zu diesem emotionalen Sturm kommen dann diese quälenden Warum Fragen.

Speaker A

Ja, die kann ich mir gut vorstellen.

Speaker A

Die drehen sich wahrscheinlich im Kreis oder ohne je zu einem Ende zu kommen.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Sie halten dich gefangen, oft in endlosen Schleifen.

Speaker B

Hätte ich was merken müssen?

Speaker B

Warum hat er oder sie nichts gesagt?

Speaker B

Warum war unser gemeinsames Leben, unsere Lube nicht genug?

Speaker A

Furchtbar.

Speaker B

Und diese Fragen sind mehr als nur quälend.

Speaker B

Sie sind der verzweifelte Versuch, einen Sinn in etwas zu finden, das sich so fundamental sinnlos anfühlt.

Speaker A

Man versucht, eine Ordnung reinzubringen.

Speaker B

Ja, in etwas, das jede Ordnung in deinem Leben zerstört.

Speaker B

Ein Versuch, ein kleines bisschen Kontrolle zurückzugewinnen, wo du jede Kontrolle verloren hast.

Speaker A

Und was bedeutet das für den Trauerprozess selbst?

Speaker A

Heißt das, man muss sich darauf einstellen, dass das länger dauert, dass es komplizierter ist.

Speaker B

Ja, das ist eine ganz wichtige Erkenntnis.

Speaker B

Diese Form der Trauer, die verläuft oft länger und in viel komplexeren Wellen.

Speaker B

Und es ist so entscheidend, dass du dir selbst und auch deinem Umfeld klar machst, das ist keine falsche Trauer.

Speaker B

Es ist keine Schwäche, wenn du nach einem Jahr immer noch Tage hast, an denen du kaum aufstehen kannst.

Speaker A

Es ist eine normale Reaktion.

Speaker B

Es ist eine absolut natürliche und angemessene Reaktion auf die unvorstellbare Wucht dieses Erlebnisses.

Speaker B

Es zeigt nur, wie tief diese Erschütterung ist.

Speaker A

Du hast vorhin von den verschiedenen Gefühlen gesprochen.

Speaker A

Ich würde da gern tiefer einsteigen.

Speaker A

Von all diesen scheint mir eines besonders schwer zu diese Schuld, dieses Gefühl, man hätte etwas tun oder lassen sollen.

Speaker A

Wie geht man denn damit um?

Speaker B

Das ist für so viele Hinterbliebene das zentrale, das nagendste Gefühl.

Speaker B

Stell dir vor, du spielst bestimmte Szenarien im Kopf durch, immer und immer wieder.

Speaker A

Wie ein Film, der nicht aufhört.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Was wäre gewesen, wenn ich an dem Tag noch einmal angerufen hätte?

Speaker B

Wenn ich diesen einen Satz anders gesagt hätte, hätte ein Besuch mehr den Unterschied gemacht.

Speaker A

Das ist ja eine Form von mentaler Folter.

Speaker B

Ja, eine, die man sich selbst auferlegt.

Speaker B

Diese Selbstvorwürfe können dich Tag und Nacht verfolgen.

Speaker A

Aber wie kommt man da raus?

Speaker A

Ich meine, man kann die Zeit ja nicht zurückdrehen.

Speaker B

Naja, das ist es eben.

Speaker B

Man kommt da nicht einfach so raus.

Speaker B

Es ist ein langer Prozess zu lernen, mit diesen Gedanken irgendwie zu leben.

Speaker A

Okay.

Speaker B

Ein ganz wichtiger Schritt ist, sich immer wieder bewusst zu Auch wenn es sich am Anfang überhaupt nicht so anfühlt.

Speaker B

Die Verantwortung für diese letzte tragische Entscheidung lag nicht bei dir.

Speaker A

Das ist schwer zu akzeptieren, unglaublich schwer.

Speaker B

Aber du kannst nicht die volle Verantwortung für das Leben und die Entscheidungen eines anderen Menschen tragen, auch wenn du ihn noch so sehr liebst.

Speaker B

Das anzunehmen, ist ein entscheidender Schritt weg von dieser lähmenden Selbstanklage.

Speaker A

Und ich kann mir vorstellen, dass diese Schuld direkt zur nächsten Hürde fü der Scham, überhaupt darüber zu reden.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Die beiden sind oft ganz eng miteinander verbunden.

Speaker B

Suizid ist gesellschaftlich ja immer noch ein Tabu.

Speaker A

Leider ja.

Speaker B

Und dieses dröhnende Schwein darum herum führt dazu, dass du vielleicht zögerst, offen zu sein.

Speaker B

Du hast Angst vor den Reaktionen, vor Verurteilung, vor diesem unbeholfenen Mitleid oder vor den falschen Sätzen.

Speaker B

Ja, vor den ungeschickten Kommentaren von Menschen, die es gut meinen, aber die völlig falschen Worte Er ist jetzt an einem besseren Ort Oder die Zeit heilt alle wunden Sätze, die wie ein Schlag ins Gesicht wirken können.

Speaker A

Also schweigt man lieber, um sich selbst zu schützen.

Speaker B

Ja.

Speaker B

Und genau dieses Schweigen isoliert Es baut eine unsichtbare Mauer um dich herum und es verstärkt das Gefühl, mit dieser unfassbaren Geschichte, mit diesem Schmerz, komplett allein auf.

Speaker A

Der Welt zu sein, als wäre man der einzige Mensch, dem das je passiert ist.

Speaker B

Genau.

Speaker A

Neben Schuld und Scham gibt es noch ein drittes Gefühl, das du erwähnt hast und das viele vielleicht ü Die Wut.

Speaker A

Wütend auf jemanden zu sein, den man verloren hat und den man ja vermisst, das fühlt sich doch irgendwie falsch an, oder?

Speaker B

Es fühlt sich für viele falsch an.

Speaker B

Es erschreckt sie zutiefst, weil es nicht in unser kulturelles Bild von Trauer passt.

Speaker B

Trauer soll doch still und sanft sein.

Speaker A

Genau.

Speaker B

Aber die Wut ist eine so kraftvolle und absolut legitime Reaktion.

Speaker B

Du bist vielleicht wütend auf den Menschen, der gegangen ist und dich mit diesem Scherbenhaufen zurückgelassen hat.

Speaker B

Vielleicht bist du wütend auf Ärzte, auf das System, weil niemand die Not gesehen hat.

Speaker B

Oder wütend auf dich selbst, weil du es nicht verhindert hast.

Speaker A

Und diese Wut ist keine Abwesenheit von Liebe überhaupt nicht.

Speaker B

Im Gegenteil.

Speaker B

Sie ist oft ein Ausdruck der tiefen Verletzung und der eigenen Hilflosigkeit.

Speaker B

Sie ist ein Zeichen dafür, wie sehr du betroffen bist.

Speaker B

Und sie zuzulassen, ist ein wirklich wichtiger Teil des Weges.

Speaker A

Lass uns da mal kurz innehalten.

Speaker A

All diese Gefühle, Schuld, Scham, Wut, diese quälenden Fragen, das ist eine unfassbare Last.

Speaker A

Ja, ich kann mir vorstellen, dass das so überwältigend sein kann, dass es eine neue Angst auslöst.

Speaker A

Vielleicht die Angst vor der eigenen Dunkelheit.

Speaker B

Das ist ein wirklich ernster und sehr wichtiger Punkt.

Speaker B

Wenn ein nahestehender Mensch durch Suizid stirbt, kann das dein eigenes Leben, deine eigene Psyche fundamental erschüttern.

Speaker A

Alles wird fragil.

Speaker B

Ja, alles, was sicher schien, wirkt plötzlich unglaublich fragil.

Speaker B

Manche Hinterbliebene erleben selbst suizidale Krisen oder haben zumindest den Wie soll ich das jemals aushalten?

Speaker B

Ich kann nicht mehr.

Speaker B

Und das ist ein Warnsignal, ein absolut ernstzunehmendes Warnsignal.

Speaker B

Das ist der Moment, in dem du erkennen Ich brauche jetzt Selbsthilfe.

Speaker B

Ich kann das nicht alleine tragen.

Speaker A

Und da kommen wir, glaube ich, zu dem Punkt, warum spezialisierte Hilfe so entscheidend ist.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Und jetzt kommen wir zu einem Aspekt, den viele übersehen.

Speaker B

Hilfe für Hinterbliebene ist nicht nur Trost, es ist aktive Suizidprävention.

Speaker A

Moment, Das ist ein unglaublich wichtiger Gedanke.

Speaker A

Du sagst, wenn wir einem Hinterbliebenen helfen, dann ist das nicht nur Beistand, sondern kann im Extremfall ein weiteres Leben retten.

Speaker B

Exakt.

Speaker B

Stell dir das mal vor.

Speaker B

Man geht davon aus, dass im Schnitt etwa 20 Menschen durch einen einzigen Suizid stark betroffen sind.

Speaker B

20 ja Partner, Kinder, Eltern, enge Freunde, Kollegen.

Speaker B

Und für einen Teil dieser Menschen steigt das eigene Risiko, in eine schwere psychische Krise zu geraten oder selbst suizidale Gedanken zu entwickeln, signifikant an.

Speaker A

Das heißt, Unterstützung anzunehmen, ist da kein Zeichen von Schwäche.

Speaker B

Nein, es ist ein absolut notwendiger Akt des Selbstschutzes und der Prävention.

Speaker B

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig.

Speaker A

Das rückt das Ganze in ein völlig anderes Licht.

Speaker A

Es geht nicht nur darum, irgendwie durch den Schmerz zu kommen, sondern darum, sicher durchzukommen.

Speaker B

Genau.

Speaker A

Was genau leistet denn so eine spezialisierte Hilfe, was Freunde oder Familie vielleicht nicht können, auch wenn sie es noch so gut meinen.

Speaker B

Sie bietet vor allem einen sicheren Raum.

Speaker B

Einen Raum, in dem du nichts beschönigen oder zurückhalten musst.

Speaker B

Dort kannst du die Schuld und Schamgefühle offen ansprechen.

Speaker A

Man darf alles sagen, alles.

Speaker B

Du kannst über diese zerreißende Ambivalenz sprechen, die Liebe und die Wut gleichzeitig, ohne dafür bewertet oder verurteilt zu werden.

Speaker B

Die Begleiter dort kennen diese Themen.

Speaker A

Sie erschrecken nicht.

Speaker B

Nein, sie erschrecken nicht, wenn du Manchmal hasse ich ihn dafür, was er mir angetan hat.

Speaker B

Sie nicken, weil sie wissen, das ist Teil des Prozesses.

Speaker A

Und wenn es der richtige Zeitpunkt dafür greift man sofort zum Hörer oder wartet man, bis der erste Schock vorbei ist.

Speaker B

Das ist sehr individuell.

Speaker B

Aber was viele Diese Angebote entfalten ihre volle Kraft oft erst nach einer gewissen Zeit.

Speaker A

Ah, OK.

Speaker B

Die erste Phase nach dem Verlust ist ja oft ein Schock, ein Nebel, ein reines Funktionieren müssen.

Speaker B

Erst wenn dieser erste Nebel sich ein wenig lichtet, oft nach ein paar Wochen oder Monaten, Erst dann spürst du langsam.

Speaker A

Was dich wirklich beschäftigt und dann kommt alles hoch.

Speaker B

Dann tauchen die tiefen Fragen und die schmerzhaften Gefühle mit voller Wucht auf.

Speaker B

Und genau dann kann eine Begleitung unglaublich wertvoll sein, um dich zu stabilisieren.

Speaker A

Dieses Netz, von dem du sprichst, ist also überlebenswichtig.

Speaker A

Aber wo fängt man an?

Speaker A

Ich meine, wenn du in diesem Nebel aus Schock und Schmerz steckst, wie findest du überhaupt den ersten Faden dieses Netzes?

Speaker B

Eine ganz besondere und kraftvolle Form der Unterstützung sind zum Beispiel Selbsthilfegruppen.

Speaker B

Das ist ein Raum, der einen ganz einzigartigen Schutz bietet.

Speaker B

Dort triffst du auf Menschen, die verstehen, ohne dass du viel erklären musst.

Speaker B

Die nicken, wenn du von der stillen Panik vor dem nächsten Geburtstag erzählst vor.

Speaker A

Weihnachten, weil sie selbst kennen.

Speaker A

Man muss sich nicht rechtfertigen.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Ich hab mal mit jemandem gesprochen, der der heilsamste Moment in seiner Gruppe war, als er zum ersten Mal sagen Ich bin so wütend auf ihn, weil er mich allein gelassen hat.

Speaker B

Und der ganze Raum hat einfach nur genickt.

Speaker A

Wow.

Speaker B

Kein Schock, keine Verurteilung, nur stilles Verständnis in so einer Gruppe Erlebst Meine Gefühle sind nicht zu viel.

Speaker B

Ich bin mit dieser Erfahrung nicht allein.

Speaker A

Das leuchtet mir ein.

Speaker A

Aber vielleicht ist der Schritt in eine Gruppe für manche am Anfang zu groß.

Speaker A

Gibt es da auch was Niederschwelliges sozusagen als emotionale erste Hilfe.

Speaker B

Da sind Psychosozial Beratungsstellen oder Krisendienste eine sehr gute erste Adresse.

Speaker B

Die sind oft sehr einfach zu erreichen.

Speaker A

Man kann einfach anrufen.

Speaker B

Ja, du kannst anrufen oder online schreiben und einfach mal alles aussprechen, was dir im Kopf herumkreist.

Speaker B

Die Schlaflosigkeit, die körperliche Erschöpfung, die quälenden Bilder, die immer wieder kommen.

Speaker B

Du brauchst da keine Diagnose, keine langen Erklärungen.

Speaker B

Es ist einfach ein erster Kontakt, um.

Speaker A

Die akute Überforderung zu teilen.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Und zu sortieren.

Speaker A

Und für Menschen, denen das persönliche Gespräch, sei es am Telefon oder vor Ort, am Anfang noch schwerfällt, gibt es da auch Wege.

Speaker B

Ja, und das ist eine wichtige Entwicklung.

Speaker B

Es gibt mittlerweile sehr gute, begleitete Online.

Speaker A

Angebote, sowas wie Programme.

Speaker B

Ja, Programme wie Hilfe nach Suizid zum Beispiel.

Speaker B

Dort kannst du in deinem eigenen Tempo und geschützt durch eine gewisse Anonymität arbeiten, mit Texten, mit Reflexionsfragen, mit Übungen.

Speaker B

Das kann dir helfen, deine eigenen Gedanken zu sortieren, konkrete Strategien für besonders schwere Tage zu entwickeln und vielleicht auch diese tiefsitzenden Schuldgefühle aktiv zu hinterfragen.

Speaker B

Es ist ein sehr behutsamer Weg, sich der eigenen Trauer anzunähern.

Speaker A

Das klingt nach einem sehr breiten Spektrum an Hilfen.

Speaker A

Mir fällt noch ein Bereich ein, der für manche Menschen zentral sein kö Die spirituelle Dimension.

Speaker B

Unbedingt.

Speaker A

So ein Verlust wirft ja oft die ganz großen Fragen auf.

Speaker B

Ja, absolut.

Speaker B

Die Seelsorge oder spirituelle Begleitung kann ein unglaublich wichtiger Raum sein.

Speaker B

So ein Verlust erschüttert oft das gesamte Weltbild.

Speaker B

Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Schuld und Vergebung, nach Hoffnung, die werden riesengroß und ein seelsorgliches Gespräch, und das ist wichtig, egal ob du einer Kirche angehörst oder nicht, kann ein Ort sein, an dem diese existenziellen Fragen Platz haben dürfen.

Speaker A

Jemand, der es aushält.

Speaker B

Ja, da ist jemand, der einfach nur zuhört und diese Fragen mit dir aushält, ohne schnelle, billige Antworten zu geben.

Speaker A

Wir sprechen jetzt die ganze Zeit über das Erleben von Erwachsenen.

Speaker A

Aber was ist, wenn Kinder zurückbleiben, wenn ein Elternteil sich das Leben nimmt?

Speaker A

Das ist ja eine unvorstellbare Situation.

Speaker B

Ja, das ist eine der schmerzhaftesten Konstellationen und eine doppelte Last für die Familie.

Speaker B

Der eigene unermessliche Schmerz und die Sorge um die Kinder.

Speaker A

Und Kinder trauern ja auch anders ganz anders.

Speaker B

Sie trauern oft in Sprüngen.

Speaker B

In einem Moment sind sie tief traurig, im nächsten spielen sie scheinbar völlig unbeschwert.

Speaker B

Das kann Erwachsene irritieren, ist aber oft ein Schutzmechanismus des Kindes.

Speaker A

Wie spricht man mit einem Kind über so etwas Unbegreifliches?

Speaker B

Das Wichtigste ist, kindgerechte, aber ehrliche Worte zu nicht lügen, nicht ausweichen.

Speaker A

Also Papa ist auf einer langen Reise.

Speaker B

Genau das kann Ängste schüren.

Speaker B

Besser ist es, ehrlich zu sagen, dass der Mensch sehr, sehr krank war in seiner Seele so krank, dass er gestorben ist.

Speaker B

Und die Schuldfrage, das ist der allerwichtigste Punkt.

Speaker B

Man muss immer und immer wiederholen, dem Kind klarmachen, dass es absolut keine Schuld trägt, dass nichts, was es getan, gesagt oder nicht getan hat, irgendetwas damit zu tun hat.

Speaker A

Gibt es dafür auch spezielle Hilfsangebote?

Speaker B

Ja, glücklicherweise gibt es die.

Speaker B

Es gibt spezielle Trauergruppen für Kinder oder Angebote für die ganze Familie.

Speaker B

Dort kann man gemeinsam einen Weg finden mit kreativen Methoden, mit Spielen, mit Zeichnungen, mit Ritualen, die den Kindern helfen, ihren Gefühlen einen Ausdruck zu geben, für die.

Speaker A

Sie ja noch gar keine Worte haben.

Speaker B

Genau dafür.

Speaker A

All diese Hilfsangebote, über die wir sprechen, deuten ja auch auf eine positive Veränderung hin.

Speaker A

Mein Eindruck ist, dass das große, verletzende Schweigen um dieses Thema langsam aufbricht.

Speaker A

Siehst du das?

Speaker B

Absolut.

Speaker B

Es passiert langsam, aber es passiert.

Speaker B

Früher wurde über Suizid meistens geschwiegen.

Speaker B

Es wurde vertuscht, was die Hinterbliebenen in eine schreckliche Isolation zwang.

Speaker B

Heute wächst zum Glück das Bewusstsein, dass ein offener, respektvoller und informierter Umgang damit ein wichtiger Teil der Prävention ist.

Speaker A

Und was bedeutet das ganz konkret für jemanden, der betroffen ist?

Speaker B

Es bedeutet, dass es zunehmend Orte gibt, an denen deine Geschichte gehört werden darf.

Speaker B

Orte, an denen du nicht mühsam erklären musst, warum dieser Verlust anders ist, an denen du Menschen triffst, die deine Ambivalenz, diese Mischung aus Wut und Liebe verstehen, ohne sie dir ausreden zu wollen.

Speaker B

Dieses gesellschaftliche Hinsehen kann das Gefühl der Scham und der Isolation wirklich lindern.

Speaker A

Wenn wir all diese Angebote zusammen betrachten, die Beratung, die Selbsthilfe, die Online Programme, die Begleitung für Familien, dann entsteht daraus das Netz, von dem du am Anfang gesprochen hast.

Speaker B

Genau das ist es.

Speaker B

Und das ist vielleicht die wichtigste Botschaft.

Speaker B

Kein einzelnes Angebot kann den Schmerz wegmachen.

Speaker B

Das wäre eine Illusion, klar.

Speaker B

Aber die Verbindung dieser Hilfen kann dich stabilisieren.

Speaker B

Dieses Netz kann dich halten, wenn der Boden unter dir komplett brüchig geworden ist.

Speaker B

Es geht nicht darum, alles auf einmal.

Speaker A

Zu machen, sondern Schritt für Schritt, ja.

Speaker B

Schritt für Schritt zu spüren, was dir in der jeweiligen Phase deiner Trauer gut tut und dir die Erlaubnis zu geben, diese Hilfe auch anzunehmen.

Speaker A

Die Erlaubnis, sich helfen zu lassen.

Speaker A

Das ist vielleicht schon der erste, der entscheidende Schritt.

Speaker B

Ja.

Speaker B

Und die zentrale Botschaft, die bleibt.

Speaker B

Niemand muss mit diesem Schmerz allein bleiben.

Speaker B

Die Gefühle, so überwältigend, so widersprüchlich und falsch sie sich auch anfühlen mögen, sie dürfen da sein.

Speaker A

Sie sind Teil des Weges.

Speaker B

Sie sind Teil deines Weges.

Speaker B

Ja.

Speaker A

Was bleibt bei dir hängen, wenn wir so darüber sprechen, wenn du es auf einen Gedanken bringen müsstest?

Speaker B

Ich glaube, dass es darum geht, nicht gegen die Gefühle zu kämpfen, sondern zu lernen, mit ihnen zu leben, ihnen Raum zu geben, ohne von ihnen verschlungen zu werden und das Vertrauen zu entwickeln, dass es wieder Momente der Leichtigkeit geben wird, auch wenn sie anfangs unvorstellbar scheinen.

Speaker A

Mir kommt ein Gedanke, der vielleicht ein bisschen weiterführt.

Speaker A

Vielleicht ist der schwerste und zugleich heilsamste Schritt, auf diesem langen Weg eine neue, eine innere Beziehung zu dem Menschen zu finden, der gegangen ist.

Speaker A

Ja, eine Beziehung, in der neben dem schmerzhaften Abschied und den offenen Fragen auch wieder Platz für die schönen, die warmen Erinnerungen sein darf, ja, in der die Liebe bleiben kann, auch wenn man die Tat nie verstehen wird.

Speaker B

Das ist ein sehr schöner, hoffnungsvoller Gedanke.

Speaker B

Die Liebe bleiben lassen.

Speaker A

Pass auf dich auf, du auch.

Speaker B

Bis bald.