Speaker A

Hallo.

Speaker B

Hallo.

Speaker A

Hast du dich schon einmal gefragt, wie ein Abschied aussehen könnte, der nicht nur ein Ende ist, sondern auch ein ganz sanftes Zurückgeben an die Natur?

Speaker A

Also eine Form, die diesem Kreislauf des Lebens wieder ganz, ganz nah kommt.

Speaker B

Absolut.

Speaker B

Und ich glaube, genau darum geht es bei dem Thema, über das wir heute sprechen.

Speaker B

Promission, das ist ja ein Konzept für eine Bestattung, das mit Kälte arbeitet, um den Körper wieder ja zu einem Teil dieses natürlichen Kreisraufs zu machen.

Speaker A

Genau.

Speaker B

Es ist eine Vision, die einerseits sehr berührt, aber gleichzeitig auch, finde ich, viele Fragen aufwirft, weil sie genau zwischen dieser schönen Idee und der harten Realität steht.

Speaker A

Ja, absolut.

Speaker A

Lass uns vielleicht genau da anfangen bei dieser Vision.

Speaker A

Was will die Idee der Promission denn eigentlich sein?

Speaker B

Also im Kern, es kommt ja aus.

Speaker A

Schweden, entwickelt von der Biologin Susanne Wiekmelsack.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Und ihre Grundidee war ja eine Alternative zu schaffen.

Speaker B

Also keine Verbrennung, keine jahrzehntelange, sehr langsame Zersetzung, sondern eine Rückführung in Humus und das in relativ kurzer Zeit.

Speaker A

Das ist der technische Teil.

Speaker A

Aber der Gedanke dahinter ist ja noch viel tiefer, oder?

Speaker B

Ja, total.

Speaker B

Es ist der Gedanke des Loslassens.

Speaker B

Nicht dieses starre Festhalten, sondern ein ganz behutsames Zurückgeben.

Speaker B

Die Vorstellung, dass es nicht darum geht, etwas zu konservieren, sondern eben wieder ja Teil von etwas zu werden, das finde ich, hat eine unglaublich tröstliche Kraft.

Speaker A

Ja, dieser Gedanke des Zurückgebens.

Speaker A

Aber du hast es gesagt, die Idee steht zwischen Vision und Realität.

Speaker A

Und wenn man sich den Prozess dann anschaut, also wie das Ganze ablaufen soll, ja, dann fühlt sich das auf den ersten Blick gar nicht mehr so sanft an.

Speaker B

Das stimmt.

Speaker B

Das ist ein Widerspruch, den man spürt.

Speaker B

Lass uns das mal durchgehen.

Speaker B

Der erste Schritt ist ja das extreme Gefrieren.

Speaker A

Genau.

Speaker B

Der Körper wird mit flüssigem Stickstoff auf minus 196 Grad Celsius heruntergekühlt, wahnsinnig kalt.

Speaker B

Extrem.

Speaker B

Und der Zweck dahinter ist rein physikalisch.

Speaker B

Das Gewebe, das ja zu einem Großteil aus Wasser besteht, wird dadurch extrem spröde, fast wie Glas.

Speaker A

Okay.

Speaker A

Die Kälte als Werkzeug sozusagen, um den Körper für den nächsten Schritt vorzubereiten.

Speaker B

Richtig.

Speaker A

Und das ist, glaube ich, der Schritt, der emotional am schwierigsten zu fassen ist.

Speaker A

Die Vibration, das ist Der spröde Körper soll dann durch ganz sanfte Schwingungen in ja, in feine Partikel zerfallen.

Speaker B

Und genau an diesem Punkt, da prallt die Vision auf die harte Physik.

Speaker B

In der Theorie klingt das natürlich sauber elegant, aber die Kritiker, die haben genau hier ein Problem.

Speaker B

Die homogene Abkühlung von einem menschlichen Körper.

Speaker A

Ist extrem schwierig, weil nicht alles gleich ist.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Organe, Knochen, Fettgewebe, all das gefriert unterschiedlich schnell und das führt zu enormen Spannungen im Gewebe.

Speaker A

Okay.

Speaker B

Die Sorge war dann halt, dass es nicht zu diesem sanften Zerfall in Pulver kommt, sondern eher zu unkontrollierten Brüchen, zu groben Stücken.

Speaker B

Und das Bild, das da entsteht, das ist für viele nur schwer mit der Vorstellung von Würde vereinbar.

Speaker A

Das ist ein wirklich entscheidender Einwand.

Speaker A

Also kein einfacher mechanischer Prozess, sondern ein physikalisch hochkomplexer Vorgang, der vielleicht nie, ja nie überzeugend gelöst wurde, so scheint es.

Speaker A

Aber lass uns im Konzept mal weitergehen.

Speaker A

Nach diesem Zerfall würde dann eine Gefriertrocknung folgen.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

In einem Vakuum wird dann das restliche Wasser entzogen, aber eben ohne Hitze.

Speaker B

Das ist der Punkt.

Speaker A

Und dadurch wird das Gewicht massiv reduziert, oder?

Speaker B

Ja, auf etwa 30 Prozent des ursprünglichen Körpergewichts.

Speaker B

Was dann übrig bleibt, ist ein trockenes, geruchloses und rein organisches Granulat.

Speaker A

Und der ökologische Gedanke dahinter ist, dass dieses Material eben von Mikroorganismen im Boden viel, viel schneller zersetzt werden kann.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Viel effizienter als ein ganzer Körper im Sarg.

Speaker A

Und vor der Beisetzung kommt dann noch ein Schritt, der ja oft als großer Umweltvorteil genannt die Metallabscheidung.

Speaker B

Ja, das ist ökologisch sehr konsequent.

Speaker B

Zahnfüllungen, künstliche Gelenke, Herzschrittmacher, all das, was.

Speaker A

Man so im Körper haben kann.

Speaker B

Exakt.

Speaker B

Das wird magnetisch oder durch sieben einfach entfernt.

Speaker B

Und das ist natürlich ein klarer Vorteil gegenüber der Erdbestattung, wo alles im Boden.

Speaker A

Bleibt, oder auch der Kremation, wo die Metalle ja teilweise schmelzen und sich mit der Asche verbinden.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Und dann kommt der letzte und ich finde der symbolisch vielleicht kraftvollste Teil dieser ganzen die Beisetzung.

Speaker B

Ja.

Speaker B

Das organische Pulver wird in einen kleinen, biologisch abbaubaren Sarg oder eine Urne gefüllt und dann nur ganz flach beigesetzt, also.

Speaker A

30 bis 50 cm tief, habe ich gelesen.

Speaker B

Genau in dieser oberen sauerstoffreichen Erdschicht soll es sich dann innerhalb von nur 6 bis 12 Monaten vollständig in fruchtbaren Humus.

Speaker A

Verwandeln und darauf pflanzt man dann einen Baum oder einen Strauch, eine lebendige Erinnerung, die aus dem Verlust erwächst.

Speaker A

Wenn man das so hört, versteht man sofort, warum diese Idee so viele Menschen fasziniert.

Speaker A

Es verbindet ja Ökologie, Spiritualität und einen wirklich tröstlichen Gedanken zu einem fast perfekten Bild.

Speaker B

Es ist ein sehr poetisches Bild.

Speaker B

Absolut.

Speaker B

Aber wie wir schon bei der Technik gesehen haben, ja, auf die Poesie folgt oft die Prosa der Realität und die ist im Fall von Promesa leider sehr, sehr ernüchternd.

Speaker A

Es gibt bis heute keine einzige funktionsfähige Anlage, oder?

Speaker B

Nein, weltweit nicht.

Speaker B

Trotz jahrzehntelanger Entwicklung, Patenten und wirklich weltweitem Interesse.

Speaker B

Es wurde nie eine Anlage gebaut und in Betrieb genommen.

Speaker A

Die Firma dahinter, Promessa Organic, ab die.

Speaker B

Ist ja sogar die ist bankrott gegangen.

Speaker B

Genau.

Speaker A

Es war also nicht nur ein Mangel an Geld.

Speaker A

Es waren wirklich diese technischen Hürden, die wir besprochen haben.

Speaker B

Das scheint das Kernproblem zu sein.

Speaker B

Diese würdevolle, zuverlässige Umsetzung im großen Maßstab.

Speaker A

Die konnte offenbar nie nachgewiesen werden.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Es ist eine Sache, ein Konzept auf Papier zu haben.

Speaker B

Eine ganz andere ist es, eine Anlage zu bauen, die im hochsensiblen Umfeld eines Bestattungsunternehmens jeden Tag für jeden Körper absolut verlässlich und ethisch einwandfrei funktioniert.

Speaker A

Und dieser Beweis wurde nie erbracht.

Speaker B

Nie.

Speaker B

Und das bedeutet, so hart das jetzt doch klingt, Promission ist heute keine Wahlmöglichkeit.

Speaker B

Es ist eine Idee geblieben, eine Vision auf dem Papier.

Speaker A

Und wenn man einen geliebten Menschen verliert, braucht man ja verfügbare Optionen und keine Konzepte.

Speaker B

Eben.

Speaker A

Und selbst wenn es diese Anlagen gäbe, würden wir hier in Deutschland ja direkt auf die nächste Mauer treffen.

Speaker B

Die rechtliche Ja, die Friedhofspflicht, genau.

Speaker A

Die gilt ja in fast allen Bundesländern.

Speaker B

Richtig.

Speaker B

Das heißt, Leichname und auch Aschen, Urnen dürfen grundsätzlich nur auf gewidmeten Friedhofsflächen beigesetzt werden.

Speaker A

Eine Beisetzung dieses Pulvers im eigenen Garten oder in ein Waldstück wäre also schlicht illegal.

Speaker B

Das deutsche Bestattungsgesetz kennt ein solches Verfahren gar nicht.

Speaker B

Es müsste also erst eine rechtliche Grundlage geschaffen werden.

Speaker B

Und das ist ein langer, sehr komplizierter Prozess.

Speaker A

Das wirft noch eine andere Frage die Kostenfrage.

Speaker A

Man liest ja immer wieder Schätzungen im Netz, aber was Konkretes findet man nicht.

Speaker B

Und das ist ja auch logisch, weil.

Speaker A

Es das Verfahren nicht gibt.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Da es kommerziell nicht existiert, kann es keine realen Preise geben.

Speaker B

Man kann natürlich schätzen, was flüssiger Stickstoff kostet oder der Bau einer Anlage.

Speaker A

Aber das ist alles Spekulation, reine Spekulation.

Speaker B

Was würde die Wartung kosten, die Genehmigungen, die Ausbildung des Personals?

Speaker B

Man kann da keine seriöse Zahl nennen.

Speaker B

Und ich finde gerade in einem Feld, das so von Trauer und Verletzlichkeit geprägt ist, ist ehrliche Klarheit der bessere Trost als irgendeine falsche Zahl.

Speaker A

Auch die Klarheit zu Wir wissen es nicht, weil es das nicht gibt.

Speaker B

Genau das.

Speaker A

Wenn wir das jetzt alles zusammenfügen, dann ist die Antwort auf die Frage, ob es ein Traum oder Realität ist, ziemlich eindeutig.

Speaker A

Es ist ein Traum geblieben.

Speaker A

Und ich kann mir gut vorstellen, dass das für viele, die sich von dieser Vision so angesprochen fühlen, auch eine Enttäuschung ist.

Speaker B

Diese Enttäuschung ist total verständlich, aber vielleicht liegt der wahre Wert von Promission gar nicht in seiner praktischen Umsetzung, sondern woanders.

Speaker A

Wie meinst du das?

Speaker B

Naja, das Interesse an alternativen Bestattungsformen ist in den letzten Jahren ja enorm gestiegen und ich glaube, Promission hat dabei eine.

Speaker A

Ganz wichtige Rolle gespielt als eine Art Katalysator.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Die Vision von Susanne Wieg Mesak hat eine Tür im Kopf aufgestoßen.

Speaker B

Sie hat Tausenden von Menschen sozusagen die Erlaubnis gegeben, traditionelle Vorstellungen zu hinterfragen und.

Speaker A

Zu Was wünsche ich mir eigentlich wirklich?

Speaker B

Exakt?

Speaker B

Suche ich die Nähe zur Natur?

Speaker B

Suche ich Schlichtheit einen Ort, der lebt und atmet?

Speaker B

Promission hat eine Sehnsucht formuliert, die viele Menschen hatten, aber für die es vielleicht kaum Worte gab.

Speaker A

Das ist ein guter Punkt.

Speaker A

Auch wenn die Methode selbst gescheitert ist, hat die Idee überlebt und vielleicht den Weg für andere geebnet.

Speaker B

Ja, absolut.

Speaker A

Es gibt ja auch neuere Entwicklungen wie die Reerdigung, also die beschleunigte Kompostierung.

Speaker A

Die wird ja in den USA und auch hier in Deutschland in Pilotprojekten schon praktiziert.

Speaker B

Genau.

Speaker B

Und die Reerdigung verfolgt ja ein sehr ähnliches philosophisches Ziel wie die Promission.

Speaker A

Die Rückführung in den Kreislauf.

Speaker B

Richtig, aber mit einer technisch offenbar einfacher umsetzbaren Methode.

Speaker B

Man könnte also Promission war die radikale visionäre Idee, die den Horizont erweitert hat.

Speaker A

Während andere jetzt pragmatischere Wege finden, um diesem Ziel näher zu kommen.

Speaker B

So ist es.

Speaker B

Und die Auseinandersetzung mit dieser gescheiterten Vision kann einen also am Ende zu einer realen, stimmigen Alternative führen.

Speaker A

Also, um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, die Vision der Promission ist in ihrer ursprünglichen Form gescheitert, technisch, wirtschaftlich.

Speaker A

Sie ist keine realistische Option.

Speaker A

Nein, aber ihr Traum, ihr Impuls, der ist realer und lebendig, lebendiger denn je.

Speaker A

Er lebt in diesem gestiegenen Bewusstsein für ökologische Bestattungen und in den neuen Methoden, die jetzt tatsächlich entstehen.

Speaker A

Der Wert der Idee liegt also nicht in der Umsetzung, sondern in der Konversation, die sie angestoßen hat.

Speaker B

Und der liegt daran, dass diese Konversation bei dir ganz persönlich auslöst.

Speaker B

Vielleicht ist das wichtigste Ergebnis unseres Gesprächs heute gar nicht die Technik oder das Recht, sondern die Frage, die an dich zurückgespielt wird.

Speaker B

Was von dieser Vision berührt dich so sehr?

Speaker B

Ist es der Gedanke an den Humus?

Speaker B

Ist es der Baum, der wächst?

Speaker B

Ist es der Verzicht auf Feuer?

Speaker B

Wenn du das für dich benennen kannst, findest du am Ende vielleicht nicht Promission, aber du findest den Weg, der für dich der richtige ist.

Speaker A

Es darf auch anders gehen.